Editorial

Wenn’s doch wieder soweit wäre.

Liebe Fliegenbinder und Fliegenbinderinnen!

Irgendwie haben mich Weihnachten und Silvester ins neue Jahr geschlämmt und ich fühle mich noch gar nicht so angekommen wie es sein sollte. In der Adventszeit hatte ich sehr viel Freude an der Gestaltung des FliegenBinder Adventskalenders und möchte das für 2023 gern wiederholen. Vielleicht etwas weniger spontan, denn wie sich zeigte, ist eine Ideenliste mit vierundzwanzig Einfällen noch lange keine fertige Serie von kleinen Artikeln. Da ist oft abends erst entstanden, was dann am Morgen auf „öffentlich“ geschaltet wurde. Aber, verbinde ich die Vorweihnachtszeit mit meinen Gedanken in dieser ersten Jahreswoche, muss ich doch sagen, dass Fliegenfischen und Fliegenbinden so etwas wie Ordnung ins Leben bringen. Nicht dass wir das so ohne weiteres mit unseren Lieben besprechen könnten, aber unsere heimliche Jahresstruktur hat sehr viel damit zu tun, wie sich die Saison, das Wetter, das Konto und die Gesamtsituation entwickeln. Da gibt es so viele Dinge, die man mal tun könnte, so viele Dinge, die man womöglich haben möchte, und der dicke Schraubenschlüssel, mit dem Charlie Chaplin in „Modern Times“ in die große Maschine gerät, ist bei uns die Fliegenrute. Derweil uns das Leben und der Alltag durch die Zahnräder wursten, schwingen wir unverdrossen den Wurfarm und versuchen uns in eine bessere Welt zu fischen. Und es ist tatsächlich so, dass uns diese Meilensteine, ein ungestörter Tag am Vereinswasser, ein Kurztrip an die Ostsee, eine Woche in Norwegen, Hechtfischen in Holland oder Äschenfischen in Slowenien, einen guten Weg durch das Jahr bereiten können. Das ist unser „secret life“, das wir zwischen den Festen und Familenfesten, den Schulferien, Urlauben und Wochenendausflügen verborgen halten, da es die Familie nur beunruhigen würde. Fliegenbinden hat ja angeblich jetzt gerade seine Saison, und das stimmt und auch nicht. Die Fliegen, die wir jetzt binden, weil wir sie brauchen werden, sind wie ein Verlaufsplan des Jahres. In schönster Öffentlichkeit können wir sie binden, und nur einige wenige, sehr kundige Beobachter, kommen uns auf einen Blick auf die Schliche. Schaut man also auf den Bindetisch eines Freundes, und ruft laut aus: Hey, Alter, Kuba! Erzähl doch mal!, dann ist das Hochverrat. Solche Erkenntnisse bitte nur ganz leise oder überhaupt nicht mitteilen. Man muss auch gar nicht so sehr in die Ferne schweifen, denn jetzt ist die Zeit Lösungen zu finden für Tage in 2022, an denen man mit seinen Fliegen vielleicht nicht so glücklich war. Jetzt ist Zeit für die Lücken bei den alten Haudegen, für neue Muster, eigene Einfälle und Experimente oder für Techniken, mit denen man fremdelt. Die Zeitschriften und Magazine sind gerade voll mit Ratschlägen für eine bessere Zukunft, und jede Menge studierte Leute erklären uns, wie wir mit dem Leben klarkommen könnten. Fliegenbinder brauchen das nicht. Wir haben dieses heimliche Wissen, wie man ein Jahr vorbereitet und lebt. Dabei möchte Sie der „FliegenBinder“ gern weiter begleiten. Die Leserzahl ist letztes Jahr um 3,1 Prozent gewachsen. Darum wie immer meine Bitte, arbeiten Sie mit mir an dieser Zahl. Ich schaue nur einmal zum Jahresanfang in die Analyse, und freue mich natürlich über Wachstum. Aber im Gegensatz zum Fischer- und Bindejahr plane ich das nicht. Dies hier ist kein Job. Es ist eine Passion.

Herzlichst und mit besten Wünschen für das neue Jahr

Ihr

Ingo Karwath, im Januar 2023