Editorial

Die Bindewelt passt in eine kleine Ecke.

Neu! Ab sofort gibt es Bindekurse. Und Lachskurse!

Liebe Fliegenbinder und Fliegenbinderinnen!

Eigentlich, so hatte ich angenommen, teilt sich der Tag eines Rentners in verschiedene interessante Phasen auf. So von 8 bis 11 Uhr wollte ich Arnold Gingrich sein und an Texten und Büchern arbeiten, um 11 dann kurz Monsieur Hulot für einen kleinen Kaffee in der Eisdiele, ab 13 bin ich Pinky Gillum und hobel ein paar Spleiße, bin dann von 15 bis 17 Uhr Stan Bogdan an der Drehbank und lasse den Tag als Jimmy Younger ausklingen und binde ein paar Fliegen. Dieser Plan unterschätzte leider den Eifer meiner Frau, mich in Haus, Garten und Küche vernünftige Dinge tun zu lassen, und so muss ich zugeben, ich bin gerade weder Arnold noch Pinky, auch nicht Stan oder Jimmy, sondern eher Dobby, der Hauself. Aber wie man unschwer an den Artikeln vom März erkennen kann, gibt es wohl doch einen Zugewinn an Schreibzeit, und in den anderen Sparten läuft es ebenfalls besser als früher. So schlimm kann es also nicht sein. Ich klage auf hohem Niveau. Auch am Bindetisch hat der Output zugenommen, und ich wundere mich selbst, wie lange mich dieses unerschöpfliche Thema nun schon fasziniert und nicht nachlässt. Ich hoffe sehr das bleibt so. Die Dosen für Irland sind gut voll, aber noch nicht perfekt. Für Dänemark entstehen am Rande ein paar Lachsfliegen, für einen Kurztrip, und die restlichen Bestände sehen ganz gut aus. Jetzt müsste sich nur noch das Jahr so entwickeln, dass Europa wieder zur Ruhe kommt und Pandemie und Krieg zu Ende und Frieden finden. Unsere privaten Interessen und Passionen wirken gegen diesen ganzen Kummer klein und nichtig, aber das sind sie nicht. Der in Gesellschaft und Familie eingebundene Mensch hat ein Recht auf Erholung, und in angemessenem Rahmen ist das vollkommen in Ordnung. Dass einige Reiseanbieter immer noch suggerieren, man könnte dieses Jahr nach Russland fahren und auf der Kola-Halbinsel Lachse fischen, verlässt diesen Rahmen und erbost. Spiel und Passionen können nur im entspannten Feld erfolgen, wie man schon im ersten Semester Psychologie lernt, und ich kann den Hunger und die Sehnsucht der Lachsfischer gut verstehen. Aber das geht nicht. Der Eiserne Vorhang ist zurück. Wenn man das einsieht und anfängt, über Schottland, Norwegen, Island oder Kanada nachzudenken, ist das wahrlich privilegiert genug. Und ich, der ich für Rügen, Sheelin und Fünen binde, und für ein paar schöne Ausflüge in der Heimat, mag mich über Diesel für 2,20 Euro und andere Dinge auch nicht aufregen. Uns geht es immer noch gut. 

Herzlichst und mit besten Frühlingswünschen

Ihr

Ingo Karwath, im April 2022

Ab 1. März 2022 kann der FliegenBinder Werbung enthalten.