Der große Skues – Ingo Karwaths Fliegenlexikon Nr. 14

Das Nymphenfischen wurde weder erfunden noch gezeugt, und hat doch einen Erfinder und Vater.

George Edward Mackenzie Skues wurde am 13. August 1858 in St. John, Neufundland, geboren. Obwohl nach seinem Geburtsort später eine berühmte Rolle benannt wurde, die „Hardy St. John“, war ihm das Fliegenfischen durchaus nicht in die Wiege gelegt. Sein Vater, William Mackenzie Skues, war ein bei der Newfoundland Company angestellter Chirurg. Die Familie kehrte 1861 in das Haus der Großeltern nach Aberdeen zurück, aber schon zwei Jahre später brachen die Eltern nach Indien auf, wo der Vater seinen neuen Dienstposten antrat. George und seine beiden Schwestern blieben bei den Großeltern. Mit sieben Jahren wurde der Junge auf das Internat nach Bristol geschickt. 1866 kehrten die Eltern zurück, aber der Vater musste sehr bald wieder nach Indien. Skues lebte einige Zeit bei seiner Mutter und besuchte dann die Schule in Alverstoke. Mit vierzehn bestand er die Prüfungen für ein Stipendium am Winchester College und wurde als Foundation Scholar aufgenommen. Damit war er dem später so geliebten Itchen schon sehr nahe gekommen. Abbots‘ Barton liegt gleich stromauf.

No. 1 Large Dark Olive. Haken: Gr. 14; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, drei ungepunktete Fibern, dunkelgrün überfärbt; Rippung: Golddraht; Körper: Dubbing, olivgrün, Seehundersatz; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 or 2 down-eyed round bend, or No. 14 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Full yellow, waxed with brown harness-maker’s wax. Hackle. – Dark blue hen, or cockerel with woolly centre, the centre covering the dubbing suggests the wing cases and the points suggesting the legs. Whisks. – Two or three strands of dark unspeckled Gallena (guinea-fowl) dyed dark greenish. Rib. – Fine gold wire. Body. – Darkest green olive seal’s fur tapered from tail to shoulder and there definitely thickened.

1874 gelang ihm am College-Wasser der Fang seiner ersten kleinen Forelle. Auch in den weiteren Jahren hielten sich seine Erfolge mit der Trockenfliege sehr in Grenzen. In seinem Examensjahr 1877 fand er wenig Zeit zur Fischerei, bestand aber alle Prüfungen und ging dann für ein Jahr zu seinen Eltern, die inzwischen auf den Channel Islands wohnten. Dort fischte er im Meer und hatte das Pech, sich beim Sport beide Handgelenke zu brechen. Das sollte ihn ein Leben lang behindern. Aber weder die Handgelenke noch seine Augenprobleme haben ihn je von seinen Zielen abgelenkt. 1878 wurde Skues in der Kanzlei James Powell angestellt, man machte ihn 1895 zum Partner, und das blieb er bis 1940.

No. 2 Medium Olive. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei braunblaue Fibern ohne Tupfen, kurz; Rippung: optional, Seide, gelb oder Golddraht; Körper: Dubbing, Hasenmaske, aus der Mitte; Hechel: Henne, blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend or No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pimrose, waxed with colourless wax. Hackle. – Short, woolly feather from breast of blue bantam cock or hen, two or, at most, three turns. Whisks. – Two fibres of brownish blue unspeckled feather from neck of cock guinea-fowl undyed – short. Rib. – Optional – yellow tying silk, gold wire, or none. Body. – Hare’s fleck or, for paler pattern, hare’s poll.

Durch seine Arbeit als Rechtsanwalt kam er in Kontakt mit einigen Persönlichkeiten, die seine Begeisterung für das Fliegenfischen teilten und in der Position waren, einem aufstrebenden jungen Anwalt unter die Wurfarme zu greifen. Der Inhaber der Zeitschrift „The Field“, Irwin Cox, schenkte ihm im Mai 1883 einen Tag am Itchen, dessen Abbots‘ Barton Wasser er gepachtet hatte. Bald darauf erhielt Skues freien Zugang zu Abbots‘ Barton und fischte dort glücklich bis 1917. Danach pachtete ein Syndikat das Wasser, in dem Skues als Mitglied bis 1938 fischte. Wegen einer Mehrheitsentscheidung gegen verschiedene seiner Meinungen, eine davon contra die Nymphe, verließ er das Syndikat und nahm sich eine Rute am Nadder. Doch auch dieses Wasser wechselte den Besitzer und Skues wurde Mitglied in einem Club mit Wasser am Nadder und Wylye. Jedoch etwas weiter entfernt, und der alte Herr musste mit dem Omnibus ans Wasser fahren und dann noch einen langen Fußweg machen. 1945 waren seine Füße zu müde und seine Hände zu unruhig, um weiter zu fischen und zu binden. Skues pensionierte seine „WBR“, die „World Best Rod“, und zog zu seinem Bruder C.A.M. Skues nach Beckenham. Am 9. August 1949 starb er in Beckenham, und seinem Wunsch entsprechend wurde seine Asche von seinem alten Freund und Keeper William Mullins am östlichen Ufer des Gas Works Kolk am Itchen verstreut.

Die W.B.R.

No. 3. Medium Olive. Haken: Gr. 16; Bindeseide: grau; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: optional, Silberdraht; Körper: Pfauengras, gestreift, blassbraun; Thorax: Dubbing, Hasennacken; Hechel: Henne, honey dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend or No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Grey brown, waxed with colourless wax. Hackle. – Light medium honey dun hen, short in fibre, two turns. Whisks. – Two strands pale brownish blue cock guinea-fowl’s neck – short. Rib. – Fine silver wire or none. Body. – Abdomen. – Pale-brown peacock’s quill, stripped. Thorax. – Hare’s poll.

In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatte die Leonard Rod Co. für Fliegenfischer ungefähr die gleiche Bedeutung wie sie heute Apple für Konfirmanden hat. Hiram Leonard hatte Rutenbauer wie Ed Payne, Bill Edwards, Hiram Hawes, Loman Hawes und Frank Oram unter dem Dach seiner Firma versammelt. Und während man in Europa noch mit Ruten fischte, die meist eine Unze auf den Fuß wogen, also 300 Gramm auf drei Meter, baute man bei Leonard solche Ruten mit nur 180 Gramm. Die Beurteilung einer Gespließten nach ihrem Gewicht ist uns lange verloren gegangen, aber früher war das ein wichtiger Faktor zur Klassifizierung einer Rute. Letztlich ein Vorläufer der AFTMA-Klassen. Allein das Gewicht bestimmte die Schnur und die Kraft einer Rute. In den Jahren vor dem Jahrhundertwechsel hatte Skues sehr viel mit Louis Bouglé zusammen gefischt, einem Franzosen, und auch mit Walter Durfee Coggeshall, einem Amerikaner. Beide Herren waren Leonard Afficinados. Bei Coggie lieh sich Skues zunächst eine Leonard aus, und genau das Modell bestellte er dann 1903 für sich selbst. Skues hatte eine kleine Erbschaft gemacht und gönnte sich eine 10 Fuß Leonard mit sechseinhalb Unzen. Die erste von sechs Leonards, die Skues in seinem Leben besitzen sollte. Diese Zahl hat Skues 1936 selbst benannt, und schon etliche Historiker des Fliegenfischens haben die Spuren diese Ruten aufgenommen. Die 1905 durch einen Klienten erhaltene 9 Fuß Leonard wurde in den Schriften von Skues zur „W.B.R.“, zur World Best Rod, aber Skues besaß letztlich zwei Ruten dieser Länge. Eine wird im Flyfishers’ Club in London aufbewahrt, eine im Anglers’ Club of New York. Vermutlich ist das Londoner Exemplar die echte „W.B.R.“, denn sie zeigt genau die Schäden, die Skues beschrieb, wurde zweimal überlackiert und hat einen stark abgenutzten Korkgriff.

No. 4 Medium Olive. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Golddraht; Körper: Dubbing, Lamm natur mit etwas Seehund , braunoliv; Thorax: Dubbing, Eichhörnchen, blaugrau; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend or No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pimrose, waxed with colourless wax. Hackle. – Dark-blue hen or cockerel. Whisks. – Two fibres of unspeckled pale-blue cock guinea-fowl’s neck – short. Rib. – Fine gold wire. Body. – Abdomen. – Raw lamb’s wool with brown olive seal’s fur – just enough so shade it. Thorax. – English squirrel’s blue fur.

Die deutlich hübschere New Yorker Rute gehörte vermutlich Mr. Coggeshall und wurde Skues 1925 von Mrs. Coggeshall zur Erinnerung an den verstorbenen Freund geschenkt. Eine weitere Coggeshall Rute, die Skues schon 1910 geschenkt bekam, wurde nach 1925 zur Erinnerung an Coggie im Flyfishers’ Club ausgestellt und in einer der vielen WK II Bombennächte leider zerstört. Eine 9 Fuß 6 Zoll Leonard, wieder das Geschenk eines Klienten, und von Dr. Barton „Matilda“ getauft, wird in den „Itchen Memories“ erwähnt. Zählt man zusammen, weiß man um den Verbleib der beiden 9 Fuß Ruten und um die verbrannte 10 Fuß Rute, aber wo sind die allererste 10 Fuß Rute und die „Matilda“ verblieben. Und wenn Skues sechs Ruten hatte, welches war die sechste und wo ist sie? Der Verbleib von drei Skues-Ruten ist somit unbekannt, und wir werden sehen und hören oder nicht, ob je eine wiederauftaucht.

No. 5 Medium Olive. Haken: Gr. 16; Bindeseide: grau; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: optional, Silberdraht; Körper: Pfauengras, gestreift, braun; Thorax: Dubbing, Hasenohr, dunkel; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 15 or 16 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Purple or grey brown, waxed with dark wax. Hackle. – Dark-blue hen or cockerel, to extend slightly beyond the dubbing of thorax. Whisks. – Two strands of dark unspeckled neck feathers of cock guinea-fowl – tied very short. Rib (optional). – Silver wire. Body. – Abdomen. – Strand of brown quill from the stalk of the eye feather of a peacock, stripped. Thorax. – A wad of dark hare’s ear, close up to the hackle.

Von der Flyfishers Club Rute und der New Yorker sind Messungen bekannt, allerdings über dem Originallack oder sogar über den beiden Zusatzschichten gemessen. Da man dünnen bis dicken Lack bei der Beurteilung des wirklichen Tapers mit Werten von 0,004 bis 0,006 Zoll von den Messungen abziehen muss und dann letztlich nur einen Schätzwert erhält, wenn auch sehr genau, hatte die „W.B.R.“, nimmt man für das Spitzenteil einen dicken Lack mit 0,006 Zoll an, eine Spitze von 2,07 mm. Daraus allein kann man keine Schlüsse ziehen, aber für 1903 war das dünn, sehr dünn! Für die Firma Hardy ein Riesenproblem. Man gewann zwar die Turniere in Weite und Präzision, aber einflussreiche Fliegenfischer ignorierten die Goldmedaillen und fischten die US-Gerten. Wenn Sie eine solche Rute besitzen möchten, bietet sich entweder der Kauf einer Leonard an, die zur gleichen Zeit gebaut wurde, oder aber ein Nachbauauftrag an einen guten Rutenbauer. Beides geht ein wenig ins Geld, aber der Gedanke mit einer Rutenreplik auf den Spuren des großen Skues zu wandeln ist reizvoll. Vielleicht möchte man aus Kostengründen lieber Mayor Oliver Kite nachahmen. Der fischte mit einer Milbro-Glasfaserrute.

No. 6 Medium Olive. Haken: Gr. 16; Bindeseide: orange; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Körper: Reiherersatz, gelb gefärbt; Thorax: Dubbing, Eichhörnchen, blaugrau; Hechel: Hahn, jung, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend, or No. 15 or No. 16 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pale orange, waxed with colourless wax. Hackle. – Darkish blue cockerel’s hackle, one turn or, at most, two – very short. Whisks. – Two strands of dark unspeckled neck feathers of cock guinea-fowl – short. Body. – Abdomen. – Three or four strands of pale covert feather of heron dyed in picric acid and wound from tail to shoulder. Thorax. – English squirrel’s blue fur or, as a change, dark hare’s ear.

Skues in Print

Skues hat im Jahre 1912 mit einem kleinen Buch eine große Sache begonnen. „Minor Tactics of the Chalk Stream“ nannte er sein Werk, und was auf den ersten Blick doch recht bescheiden aussieht, ist auf den zweiten ein Wurfpfeil mit Widerhaken. Fast eine Frechheit. Ein Kriegspfeil. Weil auch eine Kreideflussforelle um die 90 % ihrer Nahrung unter der Wasseroberfläche aufnimmt, hätte der Titel „Mayor Tactics of the Chalk Stream“ weit besser gepasst. Skues war Anwalt, ein anerkannter noch dazu, aber er hat vermutlich nicht ahnen können, welchen Aufstand er damit anzetteln sollte. Wahrscheinlich hat er gedacht, dass man sowohl in angemessenem Ton als auch mit einer seiner eigenen entsprechenden Intelligenz nun beginnen würde, seine Einsichten zu diskutieren, um dann gemeinsam durch die von ihm aufgetanen Türen in die Zukunft des Fliegenfischens zu schauen. Doch da lag er falsch. Historiker nehmen an, dass ihn das hysterische Gekreische der Trockenpuristen und ihre bornierte Dummheit dann zunächst einmal motivierte, das Nymphenfischen von da an nicht als Beitrag zum Trockenfischen zu verstehen, sondern als Gegenposition.

No. 7 Watery Dun. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei dunkel blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Körper: Dubbing, Maulwurf mit etwas Seehundersatz, gelb; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Bright yellow, waxed with colourless wax. Hackle. – Dark-blue hen short – not more than 2 turns. Whisks. – Two strands of dark unspeckled neck feathers of cock guinea-fowl – short. Body. – Thinly laid dubbing of mole’s fur mixed with yellow seal’s fur.

Dabei lässt sich ja am Trockenfischen nicht rütteln. Es ist, bis auf den heutigen Tag, eine wunderbare Methode Forellen ans Band zu bekommen. Einen steigenden Fisch zu suchen und zu finden, seine mutmaßliche Nahrung zu ergründen und ihm stromauf eine federgeflügelte Imitation in die Drift werfen, ihn steigen zu sehen, anschlagen und drillen, ist nicht eben eine „Nein-Danke-Vorstellung“. Ja, bitte, sagen wir doch alle. Eben diesen Fisch jedoch eine Stunde vorher anzutreffen, wenn er drei Zentimeter unter der Wasseroberfläche die Larven der Dun nimmt, nach denen er sechzig Minuten später steigen wird, und ihn dann stromauf mit einer 16er Imitation anzuwerfen und zu fangen, war der Skues’sche Frevel. Die Aufregung hatte sich noch lange nicht beruhigt, da legte Skues 1921 „The way of a trout with a fly“, dann 1935 mit „Sideline, Sidelights and Reflections“ und schließlich 1939 „Nymph fishing for Chalk Stream Trout“ noch einmal nach. „Silk, Fur and Feather“, 1950, und „Itchen memories“, 1951, wurden postum veröffentlicht, und in den Schriften des Flyfishers Club gibt es viele Artikel von Skues, teilweise unter eigenem Namen oder mit Pseudonymen verfasst. Capt. Stoke, S.A.S., A. Fluker, E.O.E., Seaforth and Soforth, A. Limity Dincombe, A. Butt, M.C., Simplex Mundishes, Spent Naturalist, Current Calomel, The Unspoilt Child, I. Counter Fordham, Val Conson und Integer Vitae waren seine Schreibnamen, und er hatte sicher ebenso viel Freude daran sich diese Namen auszudenken wie seine Zeitgenossen Spaß daran hatten, die schon in diesen Namen verborgenen Spitzen zu bemerken. Das sind einem deutschen Leser heute eher unzugängliche Feinheiten, aber wenn man im Englischen einigermaßen trittsicher ist, sollte man als gestandener Fliegenfischer mindestens einen Skues gelesen haben. Er ist nicht nur der Vater des Nymphenfischens, sondern nach Ansicht vieler, ich führe mal den unbestechlichen Lawrence Catlow ins Feld, einer der besten Autoren, den unser Themenkreis im 20. Jahrhundert hatte. Finden Sie heraus ob es stimmt.

No. 8 Watery Dun. Haken: Gr. 16 ; Bindeseide: orange; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaubraune Fibern ohne Punkte, kurz; Körper: Floss, blassrosa; Thorax: Dubbung, Hasennacken; Hechel: Henne, braungrau. Die Anleitung im Original: No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pale carrot colour, waxed with clear colourless wax, at shoulder only. Hackle. – Brownish dun with paler points – short. Whisks. – Two strands of pale-brownish blue unfreckled neck feathers of cock guinea-fowl – short – short. Body. – Abdomen. – Pale-pinkish artificial silk tied in at shoulder and wound over its waste end and over the whisk fibres and bare shank to near bend and then back in successive turns to shoulder. Thorax. – Hare’s poll.

Die Nymphendebatte

Skues selbst definierte seine Methode wie folgt: „Nymph fishing means for me the practice of presenting to a subaqueously feeding trout in position an artificial nymph representing as closely as possible the natural nymph he may be expected to be feeding at the moment.“ „Nymphenfischen ist nach meiner Definition eine Methode, bei der man einer Forelle in Stellung, die unter Wasser Nahrung aufnimmt, eine künstliche Nymphe präsentiert, die so gut wie möglich die natürliche Nymphe imitiert, welche diese Forelle in diesem Moment vermutlich frisst.“ Und eine Nymphe, das muss man wissen, war nach damaligem Verständnis ausschließlich die unmittelbar vor dem Schlupf stehende Larve einer Eintagsfliege. Die Larven von Köcherfliegen, Mücken, von anderen wasserbürtigen Insekten oder gar Flohkrebse galten nicht als Nymphe. Trotzdem erboste dieses imitative Nassfischen viele, sehr viele Gegner.

No. 9 July Dun. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Golddraht; Körper: Dubbing, Fuchs, grau, gelb überfärbt; Thorax: Dubbing, Seehundersatz, braunoliv; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend or No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pimrose, waxed with colourless wax. Hackle. – Dark-blue hen or cockerel. Whisks. – Two fibres of unspeckled pale-blue cock guinea-fowl’s neck – short. Rib. – Fine gold wire. Body. – Abdomen. – Medium blue fox fur, brightly dyed in picric acid. Thorax. – Dark-brownish olive seal’s fur or some darkish dun fur as a variation.

Die Gegenargumente der Trockenfischer waren teilweise so doof, dass man sich heute noch wundert, wie das britische Bildungssystem diese Menschen überhaupt hervorbringen konnte. Man mag das gar nicht zitieren, weil man sich hundert Jahre später immer noch fremdschämt. Aber, eine bewährte Lösung, wenn man in einer Auseinandersetzung dieser Art intellektuell kein Land sieht, bemüht man den großen Kontinent der Unsportlichkeit. Nach einer vergleichsweise langen und dümmlichen Zeit der Auseinandersetzung kulminierte der Nymphenkonflikt noch einmal in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg. Kann gut sein die Stimmung war einfach danach, aber von den vielen Ansätzen der Auslegung möchte ich nur einem folgen.

No. 10 Iron Blue Dun. Haken: Gr. 16 ; Bindeseide: rot; Schwanz: Henne, weiß, drei Fibern, kurz; Körper: Dubbing, Maulwurf, hinten einen Millimeter rot lassen, vorn schön dick; Hechel: Henne, schwarz, sehr kurz. Die Anleitung im Original: No. 15 Bartletts B 7362 or, if that cannot be had, No. 17 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Crimson, waxed with colourless wax. Hackle. – Shortest hackle from the throat of cock jackdaw – one turn, at most, two. Whisks. – Three strands of soft white hen hackle – quite short. Body. – Mole’s fur spun thinly on tying silk exposing two turns of silk at the tail, tapering thickest at shoulders.

Nach den begrenzten Beobachtungen, die ich auf diesem Gebiet machen konnte, lassen sich reiche und wichtige Menschen gern verarschen, wenn nur das Oben und Unten gewahrt bleibt. Auf dieser Basis kann man ihnen fast alles verkaufen. Problematisch wird es erst, wenn der Wichtige sich veräppelt fühlt und gleichzeitig bemerkt, dass er sich seinen Status in diesem Fall nicht kaufen kann und für blöd gehalten wird. Wenn man sich also für ein hübsches Sümmchen das Privileg gekauft hat, am Test oder Itchen zu fischen, dann möchte man nach einem langen und erfolglosen Tag nicht einem alten Anwalt begegnen, der mit seinen grauen Nymphen mal wieder „four brace“, also vier Pärchen gefangen hat. Einfach gedacht, zugegeben, aber nicht von der Hand zu weisen.

No. 11 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Seide, gelb; Körper: Dubbing, Eichhörnchen, blaugrau; Hechel: Hahn, jung, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 15 Bartletts B 7362 or, if that cannot be had, No. 17 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pimrose, waxed with colourless wax. Hackle. – One turn of very small darkish blue cockerel. Whisks. – Two strands pale unfreckled neck feather of cock guinea-fowl – short. Rib. – Yellow silk – five turns. Body. – English squirrel’s blue fur laid on thinly at tail and tapered to thickest at shoulder.

Die Auseinandersetzung im Flyfishers Club zu London am 10.2.1938 brachte unterschwellig natürlich auch dieses, und dann noch viele andere Argumente auf die Tische des Hauses. Skues hat vermutlich nicht damit rechnen können, zu diesem späten Zeitpunkt noch einmal in eigener Sache in den Ring steigen zu müssen. Sein Tonfall wird in diesen Jahren ein wenig unfreundlicher. Seine Geduld mit Kritikern war erschöpft. Er war die Herabwürdigungen seiner Person und seiner Methode leid. Es tropfte Vitriol aus seinem Füller, bemerkte Donald T. Overfield zu einigen Texten dieser Zeit. Dabei waren die 38er Kritiker bei der Februardebatte doch etwas besser vorbereitet als in den Jahren zuvor. Im Detail möchte ich an dieser Stelle die Politik gern weglassen, aber der Sprecher der Anti-Nympher, Joseph Ball, hatte sehr gute Kontakte zu Nazis und Faschisten in Deutschland und Italien. Wie die Geschichtsaufarbeitung zeigt, vermutlich zu gut. Zum „Sir“ hat es dann später trotzdem gereicht.

No. 12 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass blaugraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Silberdraht; Körper: Dubbing, Eichhörnchen, blaugrau; Hechel: Hahn, jung, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 15 Bartletts B 7362 or, if that cannot be had, No. 17 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Pimrose, waxed with colourless wax. Hackle. – One turn of very small darkish blue cockerel. Whisks. – Two strands pale unfreckled neck feather of cock guinea-fowl – short. Rib. – Silver wire – five turns. Body. – English squirrel’s blue fur laid on thinly at tail and tapered to thickest at shoulder.

Joseph Ball hatte alle Vorbehalte in einem Verdikt gegen Skues klug zusammengefasst. Nachdem er zunächst ein paar sinnlose Details widerlegte, und das auch noch falsch, kam er zu einem entscheidenden Punkt. Dass nämlich Nymphenfischer ein Wasser ruinieren können. Weil sie zu viel fangen. Dabei konnte Ball nicht einmal ahnen, was noch kommen würde. Sawyer wickelte Draht in seine Nymphen und legte sie ein paar Etagen tiefer. Die Amis wickelten Blei in ihre Nymphen und legten sie noch tiefer. Sie erfanden außerdem die Pose, „strike indicator“, für Nymphenfischer, und auch das „nylon nymphing“, bei dem die Fliegenschnur das Wasser nicht berührt. Tungsten hat keiner erfunden, es wird nur benutzt, aber man stelle sich einmal vor, einen jungen Münchner Nymphenfischer mit einer Zeitmaschine an den Itchen des Jahres 1930 oder so zu schicken. Und während angenommen Joseph Ball so langsam stromauf wandelt, entfaltet unser Mann seine WF 6 F mit einem geflochtenen Nymphenvorfach, Bissanzeiger und zwei „Tungsten Caddis“ gleich oberhalb der Old Gasworks Bridge. Der Anblick hätte zu einem sofortigen Schlaganfall führen können. Ball out sozusagen.

No. 13 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: weiß; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass graue Fibern ohne Punkte, sehr kurz; Körper: Seehundersatz, creme; Thorax: Eichhörnchen, blaugrau oder Hasenohr; Hechel: Hahn, jung, honey dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend or No. 15 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – White, waxed with colourless wax. Hackle. – Honey dun cockerel, very short – one turn only. Whisks. – Two strands pale unfreckled neck feather of cock guinea-fowl – short. Body. – Cream-coloured fur from belly of baby seal. Thorax. – Blue squirrel or hare’s fur.

Der spätere Sir Joseph Ball jedenfalls führte Halford in die Schlacht und spann so viele Argumente und Gegenargumente, dass man aus seinem Text getrost einen Pullover machen kann. Der Kern seiner Aussage war der, dass Halford mitnichten irgendeinen entomologischen Unsinn geschrieben hat, sondern alles vollkommen richtig und lange vor Skues durchschaut hatte, jedoch nur um die Nymphe, die eigentlich Halford selbst erfunden hat, zugunsten der sportlicheren Trockenfliege zu verwerfen. Er legte außerdem nah, dass Nymphen vor dem Schlupf zappeln und den Nymphenfischer damit zum völlig verdammten Zupfen seiner Fliege verleiten. Außerdem müsse man die Nymphe länger driften lassen, viel häufiger werfen, zu oft auf Verdacht anschlagen, Fische ankratzen und verscheuchen, viel zu viel fischen und nicht warten und auch noch zu nah ans Wasser treten, weil die alten Augen mal wieder nicht genug sehen. Alles zusammen ruiniere die Fischerei!

No. 14 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass braungraue Fibern ohne Punkte, sehr kurz; Körper: Floss, gelb; Thorax: Dubbing, Hasennacken, oder Eichhörnchen, blaugrau; Hechel: Hahn, honey dun. Die Anleitung im Original: No. 15 or 16 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Yellow, at shoulder only. Hackle. – Pale honey dun cock, very short, one turn. Whisks. – Pale-brownish blue neck feathers of cock guinea-fowl tied in at shoulder so as to be short beyond body when body material wound on. Body. – Abdomen. – One strand from three-ply yellow silk going greenish olive when wet, tied in at shoulder with the waist end towards the tail, wound over whisks and bare hook to tail then once under the whisks and back in taper to shoulder. Thorax. – Hare’s poll, for variation, squirrel’s blue fur.

Dr. Mottram kritisierte, dass beim Nymphenfischen zu viele untermaßige Fische gehakt werden. Major Phelps sagte, es gebe unter Nymphenfischern zu wenige Experten und zu viele Alexandrianer, und meinte damit die einfachen Nassfischer und ihr Griff zur „Alexandra“. Mr. Marling wollte Nymphenfischen nur ausgewiesenen Experten zugestehen, was letztlich eine Nymphenfischerprüfung implizierte. Sehr Deutsch, der Mann. Vermutlich erst eine Generation zuvor als Hubert Meierling zugewandert. F.P. Sheriffs führte aus, dass die Angler mehr werden, die Gewässer und Fische weniger, und war gegen die Nymphe. Mr. Norris war tief besorgt wegen der zu tief gehakten Fische und der Todesrate beim Forellennachwuchs. Mr. Peck äußerte die Ansicht mit der Nymphe könne man ein Gewässer komplett leer fischen. Das sind insgesamt, muss man zugeben, ein paar gute Argumente. J.W. Hills bewertete die Nymphe und die Trockenfliege als völlig gleichrangig, solange man stromauf fische. Und dann kam der alte Löwe selbst. Skues ergriff das Wort.

No. 15 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: rot; Schwanz: Perlhuhn, zwei sehr blasse Fibern; Rippung: Silberdraht; Körper: Dubbing, Seehundersatz, cremeweiß ; Thorax: Dubbing, Kaninchennacken, rot gefärbt; Hechel: Henne, light red. Die Anleitung im Original: No. 16 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Crimson or hot orange for head and thorax; white for rest of body. Both waxed with colourless wax. Hackle. – Pale-reddish centre with white points – short. Whisks. – Two strands palest (but not white) neck feathers of cock guinea-fowl – short. Rib. – Fine silver wire. Body. – Abdomen: Baby seal’s fur – cream coloured. Thorax. – Rabbit’s poll dyed in Red Ant dye.

Er definierte noch einmal seine Methode. Auf der Basis von dreißig Jahren Erfahrung machte er die Aussage, dass eine reife Nymphe eben nicht mehr zappelt, sondern ruhig treibt. Mitnichten ist die Imitation von Bewegung also nötig. Er stimmte zu, dass viele Fischer zu wenig über das Nymphenfischen wissen und darum auch zu wenig können. Und er war der Überzeugung, dass es an Kreideflüssen eine Ethik geben muss. Aber er stellte die Frage nach der Grenze. Das Nymphenfischen auf der Basis seiner Definition sah er innerhalb dieser Grenze. Aus der Gemeinschaft der ethisch korrekt fischenden Fliegenfischer dürfe der Purist sehr wohl Purist sein, den Nymphenfischer jedoch weder herabsetzen noch ihm den Sport verbieten. Mr. Skues gab außerdem zu Protokoll, dass er den Wechsel von Dr. Mottram von den Nymphenfischern zurück ins Lager der Trockenfischer selbstverständlich niemals als erkauft angesehen hätte… Aber es nutzte nichts. Die Debatte ging verloren. Man verbot das Nymphenfischen.

No. 16 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: creme; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass cremegraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Silberdraht; Körper: Dubbing, weißgrau, Hase; Thorax: Dubbing, dunkel, Eichhörnchen oder Hase; Hechel: Henne, dun. Die Anleitung im Original: No. 16 down-eyed Pennell sneck. Tying Silk. – Cream, waxed with colourless wax. Hackle. – Medium dun hen with pale points – one turn. Whisks. – Two strands creamy neck feathers of cock guinea-fowl. Rib. – Fine silver wire. Body. – Abdomen. – Whitey grey fur from hare’s shoulder. Thorax. – Darker fur – in a variety of shades – from blue English squirrel or hare’s fur. On it’s day a very deadly pattern.

Die Aktualität dieser Debatte ist im Jahre 2021 wohl nicht mehr gegeben, aber sie erreicht uns immer noch auf zwei Wegen. Der erste ist hypothetisch. Wenn Sie zwei Meilen Kreidefluss besitzen würden, sagen wir am mittleren Test oder Itchen, beide Ufer und jede Menge Carrier, ein Filetstück des Flusses, würden Sie Nymphenfischen erlauben? Und wenn dieses Stück meines wäre, oder es gehörte Lord Castlecast, und Sie kämen als Gast, welche Regelung würden Sie sich dann wünschen? Meine eigene Entscheidung? Ich würde das Nymphenfischen so wie von Skues definiert erlauben. Und ich hätte fünf Vollzeitkeeper: Arnold Scharzenegger, Jean Claude van Damme, Sylvester Stallone, Jackie Chan und Gerd Fröbe.

No. 17 Pale Watery. Haken: Gr. 16; Bindeseide: creme; Schwanz: Perlhuhn, zwei blass cremegraue Fibern ohne Punkte, kurz; Rippung: Silberdraht; Körper: Dubbing, blass, Kaninchennacken; Thorax: wie Körper; Hechel: Henne, light ginger. Die Anleitung im Original: No. 16. Tying Silk. – Cream, waxed with colourless wax. Hackle. – Palest ginger hen – one turn – short. Whisks. – Two strands palest creamy neck feathers of cock guinea-fowl – short. Rib. – Fine silver wire. Body. – Abdomen. – Pale rabbit’s poll. Thorax. – Hare’s poll, or, for variation, English squirrel’s blue fur.

Skues Nymphen

Skues band seine ersten Fliegen, angeregt durch Halford, im Jahr 1887. Da war er 29. Von diesem Jahr an sollte man ihn an vielen freien Nachmittagen im Britischen Museum antreffen, wo er im Laufe der Zeit alles studierte, was die Bibliothek über Insekten und Kunstfliegen anzubieten hatte. Eine ebenso große wie gründlich geleistete Arbeit. Skues erfasste jede beschriebene Fliege mit einer tabellarischen Bindeanleitung. Auf der Basis dieser Studien begann er mit seinen eigenen Experimenten. Wie man in seinen Büchern verfolgen kann, band er zunächst zarte Nassfliegen im Clyde-Stil, fand dann zu komplexen Nymphen mit definierten Teilen, für die er zwei Bindeweisen entwickelte. In seinem letzten Buch hatte Skues die Flügelköcher an Nymphen mehr oder weniger aufgegeben und bevorzugte Hechelnymphen. Mal wieder eine der Stellen, an denen man Einstein zitieren kann: Make everything as simple as possible, but not simpler.

No. 18 Blue-winged Olive. Haken: Gr. 14; Bindeseide: orange; Schwanz: Henne, dunkel (dun), drei Fibern, kurz; Körper: Kuhhaar, braunrot; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 or 2 down-eyed round bend. Tying Silk. – Hot orange. Hackle. – Dark but definitely blue hen – as woolly in the fibre as can be had – two turns. Whisks. – Three strands of dark hen hackle – short. Body. –  Cow-hair the colour of dried blood, dressed fat – the nymph itself being fat and not taper like the other dun nymphs.

1945, nach fast sechzig Jahren, muss Skues das Binden eingestellt haben, denn er berichtete, seine Hände seien dafür nun zu zittrig. Skues hat in seinen Schriften 82 eigene Muster hinterlassen. In „Silk, Fur and Feather“, einem 1950 postum veröffentlichten Buch, findet man noch ein paar mehr. Darunter aber auch Muster von fremder Hand, die Skues nur empfohlen hat. Seinem eigenen Bindestock sind wohl 82 Muster geschlüpft, von denen es ein gutes Viertel bis zur Wasseroberfläche schaffte und also zur Trockenfliege wurde. Der überwiegende Teil sind Nymphen, von den frühen Nassfliegen einmal abgesehen. Skues fischte natürlich auch trocken und hielt sich an die Regel, stets mit einer passenden Imitation stromauf zu fischen. Er hatte aber auch eine beträchtliche Freude an Experimenten mit speziellen Trockenfliegen auf solche Forellen zu fischen, die sich außerhalb der anerkannten Imitationen von Mücken und Shrimps nährten. Doch bevor das zu speziell wird muss man mit Nachdruck sagen, dass man sich dem Vater des Nymphenfischens natürlich über seine Nymphen nähern sollte. Ich habe von 82 mal 18+ ausgewählt, man könnte sagen die von letzter Hand. Vielleicht mögen Sie ein paar davon binden und auf diese Weise einen alten Mann im Himmel ein wenig lächeln lassen.

No. 18a Blue-winged Olive Variant. Haken: Gr. 14; Bindeseide: orange; Schwanz: Rebhuhn, drei Fibern; Körper: Dubbing, Blaue Perserkatze, gelb überfärbt; Hechel: Henne, dark blue dun. Die Anleitung im Original: No. 1 down-eyed round bend. Tying Silk. – Ordinary orange. Hackle. – Dark blue. Whisks. – Three strands of close-freckled partridge hackle. Body. – Fur of blue Persian cat strongly dyed in picric acid – becoming a rich green.

Mit Skues am Bindestock

Es ist nicht leicht mit Skues zu binden. Seine Fliegen sind subtiler als subtil und das Ergebnis unserer Bemühungen ist, nun, sagen wir mal, unauffällig. Auch und gerade vor der Kamera. Man kann mit einer Skues Nymphe im Bindestock heute kaum mehr nachvollziehen, warum das kleine Ding unter den Trockenfischern so ein großer Aufreger war. Moderne Nymphen blitzen und funkeln deutlich mehr, und eine volle Dose rechts in der Weste erzeugt eine leichte Schräglage beim Fischer, so schwer sind die. Das ist nicht Skues‘ Welt. Auf seine leichten und zarten Nymphen muss man sich einlassen, und ich bin sicher es wird eine interessante Erfahrung. Zumal später dann am Wasser. Die erste Aufgabe ist es den Bestand an Hennenbälgen zu kontrollieren, denn ohne eine gute Auswahl in Duntönen geht es nicht. Die alten Haken, die Bindeseiden der 20er und 30er Jahren und Materialien wie Dohlenhecheln und Babyseehund können und dürfen wir nicht mehr nutzen, und das macht rein gar nichts, denn der Sinn und Geist dieser Nymphen liegt in ihrem Stil. Wie man auf den Aquarellen von Captain St. Barbe Goldsmith sehen kann, hat Skues seine Nymphen entweder vorn am Kopf abgeschlossen oder zwischen Abdomen und Thorax. Die Fadenführung ist außerordentlich mager, der Faden wird mit nur zwei Windungen angeschlagen, und der „close, hard whip finish“ dürfte auch nur zwei bis drei Windungen gehabt haben. Man gibt einen Tropfen Cellire Lack in die Schlaufe, derweil man sie zuzieht. Im Laufe der Jahrzehnte hat Skues seine Nymphen evaluiert, und man müsste viele Varianten vorstellen, wollte man diesen Schritten folgen. Wichtig ist mit Skues überhaupt erst einmal anzufangen, damit wir den Weg zurück zu ihm finden. Ich bin sicher er nimmt oben im Himmel sein Monokel raus und ist nicht zu kritisch mit uns. Verbessern können wir uns dann immer noch. Der 16er Haken ist die erste Burg. Nicht größer! Außer Nr. 1 und Nr. 18. Die hier vorgestellten Muster sind aus „Nymph Fishing for Chalkstream Trout“, erschienen bei Adam & Charles Black, London 1939. Eine Anleitung ist übersetzt und vereinfacht, eine das Original, in Typografie und Text.

Ingo Karwath