Ingo Karwaths Fliegenlexikon Nr. 12

Midfjardara oder Campingplatzpool in Norwegen – Hitchtubes sind Weltbürger.

Hitchtubes und Mini Hitchtubes sind gerade up-to-date in der Lachsszene, und man wundert sich, warum 23 Jahre nach Art Lees Buch „Tying and Fishing the Riffling Hitch“, da auf einmal so ein Hype entsteht. Die Technik ist seit langem bekannt, und da sie einmal für defekte gut-eyed Lachsfliegen erfunden wurde, kann man nur ahnen wie lange. Ich schätze mal mindestens 120 Jahre. Natürlich ist die ganze Sache eine enorme Wissenschaft für sich, und ich schließe hier die Hakenfliegen aus und beschäftige mich nur mit Tubes. Man kann jede unbeschwerte Tube hitchen, wenn man ihr zwei halbe Schläge hinter den Kopfknoten schlingt. Das ist jedoch nicht die Lösung, mit der man die besten Ergebnisse erzielt, und gelochte Plastiktubes sind eher das Mittel der Wahl. Es hat sich bewährt, das Loch zwischen dem ersten Drittel und den hinteren zwei der Tube zu positionieren. Dieses Verhältnis bleibt dann so je nach Länge der Tube. Dabei sind 3 cm für eine Hitchtube schon eine gewaltige Länge, und bei einer Minitube von weniger als einem Zentimeter kann man das Loch auch mittig machen. Wie man das Loch macht ist eine weitere Entscheidung, denn das geht heiß und kalt. Mit der heißen Nadel wird man die eine oder andere Tube ruinieren, denn ist sie zu heiß, hat man mindestens einseitig einen Krater. Die Alternative ist ein Locheisen von 0,5 bis 1 mm, mit dem man ein kaltes Loch machen kann. Das geht aber nur mit einem passenden Zahnstocher als Widerlager in der Tube, sonst locht man zu tief.

Orange & Black. Tube: orange, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Flügel: Eichhorn, schwarz, Krystal Flash, pearl, 4 Fäden.

Yellow & Black. Tube: gelb, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Flügel: Eichhorn, schwarz, Krystal Flash, pearl, 4 Fäden.

Blue & Black. Tube: blau, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Flügel: Eichhorn, schwarz, Krystal Flash, pearl, 4 Fäden.

Die letzte Entscheidung ist dann noch einmal wo, denn man kann rechtseitig lochen, linkseitig, beidseitig oder unten. Rechtsseitig rifflet stromab vom linken Ufer, linksseitig stromab vom rechten Ufer, beidseitig gelocht oder von unten rifflet von beiden Ufern gleich gut. Aber nur die von unten gelochte Tube hat den Vorteil, dass man sie beim Seitenwechsel am Fluss nicht umknoten muss, und das ist an den kleinen isländischen Flüssen ein Vorteil. Oft kann man von einem Standort aus verschiedene Strömungen befischen, und rechts links Löcher wären da zu kompliziert. Ich habe alles versucht. Einseitig gelochte Tubes habe ich mit roter oder gelber Seide gebunden, rot für rechts und gelb für links, beidseitig gelochte mit schwarz, aber neuerdings habe ich eine Vorliebe für unten gelochte Fliegen.

Hairy Mary Hitch. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Rippung: Ovalgold. Körper: Floss, schwarz. Hechel: Hahn, blau. Flügel: Eichhorn, braun.

Grima Blue. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Rippung: Ovalsilber. Körper: Floss, hellblau und schwarz. Hechel: Hahn, blau. Flügel: Eichhorn, braun.

Grima Red. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Rippung: Ovalsilber. Körper: Floss, rot und schwarz. Hechel: Hahn, rot. Flügel: Eichhorn, braun.

Meine Fänge stehen in keinem Verhältnis zu diesem Aufwand, denn ich mag gern früh in der Saison fischen und habe darum nur dann Hitchfische im Fangbuch, wenn ich im Sommer unterwegs war. Aber es sind einige. Da sich die Lachsszene nun schon ein paar Jahrzehnte mit den Tubes befasst, sind einige doch so bekannt geworden, dass es sich anbietet sie mit einem Lexikon zu erfassen. Dazu müssen sie sich als Muster etablieren und eine gewisse Unterscheidbarkeit mitbringen, im Idealfall sogar eine Geschichte, sonst lohnt es sich wirklich nicht am Objektiv zu drehen. Da man auf 10 bis 30 mm nicht viel Zauber entfalten kann, sind Hitchtubes eher simpel. Ein buntes Plastikrohr mit ein paar Haaren dran rechtfertigt kaum einen Euro. Plus Flash ein Euro dazu, JC an den Seiten, noch ein Euro, ein paar Hechelfibern, und noch einer, dann hat das Muster ein „wichtiger“ Binder erfunden, ein Euro, und sie kommen aus dem gelobten Land Island, na gut, noch einer. Wo stehen wir? Aha, sechs Euro, und wie man im Handel sehen kann, liege ich in etwa richtig. Leider ist ein buntes Röhrchen mit schwarzen Haaren mehr oder weniger unschlagbar, und es ist höchst zweifelhaft, ob die 5 Euro teuren Extras einen Unterschied machen. Vielleicht investiert man lieber in eine Pizza mit Wunschbelag. Aber andererseits, wenn ich die Wahl habe, nehme ich eine „Langa Fancy“ aus der Dose oder eine „Orange Black“? Unser Auge hofft ja mit, und fünf Materialien wirken irgendwie fängiger als zwei.

Langa Fancy. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Körper: Floss, chartreuse. Hechel: Hahn, schwarz über blau. Flügel: Eichhorn, schwarz, Krystal Flash, pearl, 4 Fäden.

Haugur. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: rot. Körper: Tinsel, pearl. Hechel: Hahn, blau. Flügel: Eichhorn, schwarz, Krystal Flash, blau, 4 Fäden.

Ida Hitch. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: rot. Körper: Silberchenille. Hechel: Hahn, blau. Flügel: Eichhorn, schwarz.

Überhaupt sind die kleinen Tubes sehr variabel zu binden, da man nicht unbedingt dem Oben-Unten-Prinzip folgen muss. Bei einer unten gelochten Tube könnte man die Hechel beidseitig unmittelbar unter dem Flügel ansetzen, weil ich ganz unten ja das Loch habe. Einen superkleinen Kopf kann man machen, aber man sollte mit Daumen und Zeigefinger mäßig am Flügel zupfen können und er sollte eingebunden bleiben. Zu fest ziehen ist als Fliegentest unfair. Dieses berühmt berüchtigte „pullen“ war früher ein Test, dem sich die Binderinnen und Binder bei Hardy und anderen Firmen stellen mussten. Und man muss echt gut binden können, um da zu bestehen. Ein Millimeter Show-Köpfe funktionieren nur, denn sie inwendig mit Sekundenkleber verfestigt sind. Zwei Millimeter breite Köpfe finde ich schon besser. Man muss nicht jede Mode mitmachen. Leider funktioniert mit Hitchtubes das, was uns A.H.E. Wood schon mit seinen „Red Shanks“ und Blue Shanks“ bewiesen hat, sie fangen auch als nackte Tube ohne jegliches Haar. Zweifarbige Körper von insgesamt 3 mm Länge mit Rippung sind darum nicht der Schlüssel zum Erfolg, sondern eher eine sympathische Erinnerung an richtige Lachsfliegen und das Feigenblatt, mit dem der Binder die Nacktheit kaschiert. Mit welcher Fliege auch immer, es lohnt sich in jedem Fall die Kunst zu lernen, wie man sie richtig „rifflen“ lässt, denn das deutsche Wort „furchen“, vom Trockenfischer so negativ gefürchtet, erhält gleich mit dem ersten Lachs, der zusteigt, eine positive Bedeutung.

Hofi Hitch. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Rippung: Ovalsilber. Körper: Flachsilber. Hechel: Hahn, magenta. Flügel: Hechelfibern, violet und Pfauengras.

Sunray Hitch. Tube: klar, 10 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Flügel: Pfauengras über Eichhorn, schwarz, über Bucktail, weiß.

Kolskeggur Hitch. Tube: klar, 6 bis 30 mm. Bindeseide: schwarz. Rippung: Ovalsilber. Körper: Flachsilber und Floss, schwarz. Hechel: Hahn, schwarz. Flügel: Eichhorn, schwarz.

Ingo Karwath