Ingo Karwaths Fliegenlexikon Nr. 10

Grubs. Die Kartoffelpuffer unter den Lachsfliegen.

In der guten alten Zeit hat man für Damen und ältere Herren, „ladies and elderly gentlemen“, gern eine etwas leichtere Rute mit einer etwas leichteren Rolle empfohlen. Sagen wir eine 14 Fuß Gespließte mit einer Rolle von etwas weniger als 4 Zoll Durchmesser mit einem Gesamtgewicht von unter einem Kilo. Mit anderen Worten, eine Ausrüstung für Weicheier. Richtige Männer fischten eine 18 Fuß Greenheart mit einer 4,5 Zoll Rolle und zwei Kilo Gesamtgewicht. Aus dieser Zeit stammt auch der Satz: „Grubs“ sind leicht zu binden.

Heute wiegt eine leichte Lachsausrüstung so um die 450 Gramm, und nun muss man natürlich die Aussage, „Grubs“ sind leicht zu binden, ein wenig anders sehen. Gewiss, eine „Popham“ macht uns mehr Probleme, aber im Vergleich zu den Fuchsschwänzen, mit denen wir sonst so fischen, ist eine „Grub“ im Prinzip das Bindeglied zwischen Tube und Klassik. Die Manipulation der Materialien ist gar nicht so leicht, und man muss lernen, wie man die komplexe Struktur aus viel Hechel und viel Körper so binden kann, dass keine unansehnlichen Berge und Täler auf dem Haken entstehen. Die Aussage, dass man mit „Grubs“ lernen kann den perfekten Lachsfliegenkörper zu binden, war und bleibt gültig. Der hintere Hechelkranz wird nicht länger eingebunden, wie bei „Shrimps“ üblich, sondern etwas kleiner als die Mitte und die Front. „Grubs“ sind keine Krustentiere, sondern eher eine Raupe. „Grub“ übersetzt man als Substantiv mit Raupe, Made, Larve und umgangssprachlich auch mit Futter. „Grab some grub“. Nimm‘ dir Futter.

Ullsocken. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalgold; Schwanz: Wolle, rot; Schwanzhechel: Hahn, schwarz, braun oder orange; Körper: Wolle, schwarz; Mittelhechel: Hahn, schwarz, braun oder orange; Körper: Wolle, schwarz; Fronthechel: Hahn, schwarz, braun oder orange (entweder einfarbig gebunden oder Tricolore).

Brown Fairy Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalgold; Schwanz: Goldfasan, rot, Dschungelhahn; Schwanzhechel: Goldfasan, rot, und Rebhuhn, braun; Körper: Hasenmaske; Mittelhechel: wie Schwanzhechel; Körper: Hasenmaske; Fronthechel: wie Mittelhechel.

Glow Worm Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber; Schwanz: Wolle, rot; Schwanzhechel: Coch-y-bondhu; Körper: Ovalgold; Mittelhechel: Coch-y-bondhu; Körper: Ovalgold; Fronthechel: Coch-y-bondhu.

Wir Fliegenbinder haben ja die eigenartige Angewohnheit, unsere Fliegen zu streicheln, und sie mit den Fingern immer wieder und zu oft von vorn nach hinten in Facon zu kuscheln. Achten Sie mal drauf. In einigen Bindevideos kommt das sehr lustig rüber. Das liegt natürlich daran, dass die meisten großen Fliegen eine stromlinienförmige Gestalt haben, und genau die haben „Grubs“ nicht. „Grubs“ sind vertikal strukturierte Fliegen mit meist bodenständigem Material. Ich brauche weder geheime Adressen noch verdeckte Versandwege, um sie zu binden. Goldfasan und Perlhuhn sind schon extravagant in einer Fliege, die von ihren drei Hechelkränzen lebt. Diese vertikale Struktur lässt sie schon trocken fängig aussehen, wenn man einen Blick dafür hat. Insgesamt kann man wohl sagen, dass „Grubs“ weder bei privaten Fliegenbindern noch im Handel sonderlich beliebt sind. Das hat viel mit ihrem Image zu tun, denn letztlich führt der erhebliche Aufwand diese strukturierte Fliege zu binden nicht zu anerkannt teuren Form der klassischen Lachsfliege, was dann natürlich bedingt, dass man sie nicht für einen angemessen Preis verkaufen kann. Eine „Jungle Hornet“ etwa verlangt nach drei kurzen Flügelpaaren vom Dschungelhahn und kann eigentlich unter zehn Euro gar nicht auf den Markt kommen.

Grey Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalgold; Schwanzhechel: Hahn, grizzly; Körper: Pfauengras; Mittelhechel: Hahn, grizzly; Körper: Pfauengras; Fronthechel: Hahn, grizzly.

Jungle Hornet Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber; Schwanz: Ibisersatz und Dschungelhahn; Schwanzhechel: Coch-y-bondhu; Körper: gelbe und schwarze Wolle; Mittelhechel: Coch-y-bondhu und Dschungelhahn; Körper: gelbe und schwarze Wolle; Fronthechel: Coch-y-bondhu und Dschungelhahn.

Spring Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber und Floss, hellblau; Schwanz: Hechelfibern, rot und gelb; Schwanzhechel: Hahn, badger, orange gefärbt; Körper: Floss, gelb, schwarz gerippt; Mittelhechel: Hahn, blau; Körper: Floss, schwarz, Ovalsilber gerippt; Fronthechel: Coch-y-bondhu und Grouse.

So hat es sich ergeben, dass mehr oder weniger alle „Grubs“ in der Nische des privaten Bindens gelandet sind, und nicht einmal dort in Saus und Braus leben. Trotzdem gibt es da ein, zwei, drei sehr irritierende Fakten, die den nachdenklichen Lachfischer aufhorchen lassen. Warum etwa ist die „Ullsocken“ trotz aller Fuchsschwänze nach wie vor eine so beliebte Fliege an der Mörrum? Das Gewässer ist in jeder Hinsicht schwierig, sowohl fischereilich als auch sozial. Die Zahl der HSV-Fischer am Ufer übersteigt die Zahl der HSV-Fische in den Pools, und die Abkürzung steht für herausforderndes Sozialverhalten, nicht Hamburger Sport Verein. Die Gemeinschaft der Fischer dort ist aber gut in der Lage, zur Erziehung beizutragen und bringt dem Neuling auch gern bei, wie man die Wollsocke fischt. Die Fliege ist nach über 50 Jahren immer noch populär. Nur ein Regionalmuster, sagen Sie. Warum jedoch sieht man in den Fliegendosen von weitgereisten Lachsfischern deutlich viel mehr „Grubs“ als man erwarten könnte?

Dass der Lachs ein diffuses Erinnerungsbild an irgendwelche Raupen seiner Flusskindheit haben könnte, und sozusagen in romantischer Erinnerung an seine Babynahrung zugreift, kann ich überhaupt nicht glauben. Ich selbst gehe ja auch konsequent an den Aletegläsern vorbei und kaufe mir an der Fleischtheke ein Steak. Ich glaube etwas anderes. „Grubs“ sind die absoluten Edelpalmer unter den Fliegen, und wo immer man sich auf der Welt umschaut, in jeder Fliegenszene dieser Erde haben Palmer ihren festen Platz. Es gibt gepalmerte Nassfliegen, Nymphen, Trockenfliegen, Meerforellenfliegen, Küstenfliegen, Bonefishfliegen, Hechtfliegen, Tarponstreamer und Sailfischköder. Diese mit ihren abstehenden Federfibern an einen Palmwedel erinnernden Fliegen, daher der Name, haben ihre Fängigkeit seit fünfhundert Jahren belegt. Sie müssen nichts mehr beweisen. Sie sind das Steak unter den Fliegen. Unser Kontakt zu ihnen ist unmittelbar sympathisch. Und nur weil man einen Palmer etwas mehr segmentiert und aufwändig strukturiert und wohl auch mal einen Körper bindet, der mehr eine Fingerübung ist, als dass er Sinn macht, bleibt auch dies unter dem Namen „Grub“ ein Palmer.

Tippet Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalgold; Schwanz: Wolle, rot; Schwanzhechel: Tippetfeder und Coch-y-bondhu; Körper: Flachsilber und Wolle, grün; Mittelhechel: Tippetfeder und Coch-y-bondhu; Körper: Flachsilber und Wolle, grün; Fronthechel: Tippetfeder und Coch-y-bondhu.

Black Creeper. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber und Floss, hellblau; Schwanz: Hechelfibern, rot unter blau; Schwanzhechel: Hahn, schwarz; Körper: Chenille, schwarz; Mittelhechel: Hahn, schwarz und Hechelfibern, blau; Körper: Chenille, schwarz; Fronthechel: Hahn, schwarz und Hechelfibern, blau.

Loch Dhu. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber; Schwanzhechel: Perlhuhn; Rippung: Ovalsilber; Körper: Flachsilber; Körperhechel, Hahn, schwarz, gepalmert; Fronthechel: Perlhuhn.

Und obwohl es einem Forellenfischer nicht in den Sinn kommen würde, ohne einen „Braunen Palmer“ ans Wasser zu gehen, der Äschenfischer vermutlich nur ungern auf seine „Griffith Gnat“ verzichtet, der Nymphenfischer auf seinen „Wooly Worm“, der Meerforellenfischer nicht ohne „Soldier Palmer“ ins Boot und der Küstenfischer nicht ohne „Magnus“ ins Wasser steigen würden, glauben doch tatsächlich einige Lachsfischer ohne „Grub“ auskommen zu können. Das geht nicht. So, zu noch mehr Werbung kann ich mich nicht aufschwingen. Ab hier muss man den Weg allein gehen. Ich würde vorschlagen mit einer „Ullsocken“ zu beginnen, denn die Fliege ist fast schon Kult und etwas leichter zu binden. Nehmen Sie eine Tricolore, hinten orange, Mitte braun und Front schwarz. Von der Stelle aus arbeitet man sich weiter vor und stattet die Dose mit ein paar mehr „Grubs“ aus. Damit ist erst einmal der Anfang gemacht, und nun geht es an den Lachsfluss. Wie jeder weiß gibt es in der beharrlichen Wiederholung des Bewährten, und nichts anderes ist Lachsfischen, immer mal wieder die Momente der Irritation, wenn sich nämlich das Bewährte tagelang nicht bewährt. Sie kennen das. Dann fischt man einen Nachmittag trocken oder mit der Nymphe oder einer Lure. Warum nicht mit einer „Grub“? Ich binde sie gern, und die positive Stimmung, die ich dabei am Bindetisch hatte, überträgt sich auf meine Fischerei. Die Lachse im Pool kennen alle Varianten vom „Tempeldog“ die es so gibt, aber nun komme ich mit meinem Edelpalmer, dem Steak unter den Lachsfliegen. Oder, so man Vegetarier ist, dem Kartoffelpuffer. Gar nicht mal so selten entscheidet dann ein Fisch „grab the grub“.

Brown Creeper. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: schwarz; Tag: Ovalsilber und Dubbing, gelb; Schwanz: Hechelfibern, rot; Schwanzhechel: Hahn, Coch-y-bondhu; Rippung: Ovalgold; Körper: Chenille, braun; Mittelhechel: Hahn, Coch-y-bondhu; Rippung, Ovalgold; Körper: Chenille, braun; Fronthechel: Hahn, Coch-y-bondhu.

Moisie Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10; Bindeseide: rot; Tag: Flachgold; Schwanz: Goldfasan, Crestfeder; Schwanzhechel: Körper: Mohair, gelb; Mittelhechel: Hahn, schwarz; Körper: Mohair, gelb; Fronthechel: Perlhuhn.

Marks Grub. Haken: Salmon Single Gr. 4 bis 10 Bindeseide: schwarz Tag: Ovalgold; Schwanz: Goldfasan, Crestfeder und Indian Crow, Ersatz; Schwanzhechel: Goldfasan, gelbe Körperfeder; Rippung: Ovalgold; Körper: Floss, gelb; Schleier: Indian Crow, Ersatz; Mittelhechel: Hahn, schwarz und Perlhuhn; Körper: Floss, schwarz; Schleier: Indian Crow, Ersatz; Fronthechel: Hahn, schwarz und Perlhuhn.

Ingo Karwath