Meeräschen

Ich wünschte meine Meeräschendose würde Expertise dokumentieren, aber wie man sieht ist es eher Verzweiflung. Die Suche nach DER Fliege geht weiter.

Dass Meeräschen nicht zu fangen sind ist eine Mär, die durch viele Fangfotos widerlegt wird, fischt man jedoch auf sie, hat man oft wochenlang den Eindruck es stimmt doch. Es gibt jede Menge Theorien, wie man vielleicht obsiegen könnte, und man kann sogar ein Buch dazu kaufen. Es heißt „Mullet on the fly“, von Colin MacLeod, und kostet bei Amazon 64,92 Euro. Mein dringender Rat. Nicht kaufen! Es sei denn Partridge bringt eines Tages den „Colin MacLeod Mullet Hook“ auf den Markt. Dann, und nur dann, vielleicht doch kaufen. Ich fische nun deutlich über 40 Jahre an unseren Küsten mit der Fliege, und meine Weisheit ist, die einzig sichere Methode eine Meeräsche zu bekommen, ist eine Harpune. Das ist in Dänemark erlaubt. Einfach mit Schnorchel an einem Riff rumlauern und warten. Wenn das Ihren Wohlfühlbereich deutlich verlässt, Harpunenpfeile kennen keine Aftma-Klasse, bleiben ein paar trockene Tipps. 1. Die meisten Meeräschen fing ich sehr früh am Vormitttag. Kurz nach Humble, Brötchen holen, vorher eine halbe Stunde an den Strand. 2. Niemals ohne Rute unterwegs sein. Egal was anliegt, Eisessen mit der Familie, Einkauf, Sightseeing, ist da irgendwo Wasser, montierte Rute mitnehmen. 3. Niemals, auch in der schönsten Meerforellenwoche, ohne Äschenfliegen im Wasser stehen. 4. 6er Rute, langes, längstmögliches Vorfach. Denken Sie an French Nymphing. Alles unter 5 Metern ist zu kurz. 5. Hat man Meeräschen gefunden, immer an den Rändern dieser Chance arbeiten. Pausen einlegen. Keine Gier, keine Hektik, und das ist nicht leicht, wenn man 5 Kilo Fische vor sich hat. 6. Anfüttern ist eine Option. Brot wäre das Mittel. Hat man die Fische am Brot, geht nur noch eine Brotfliege. Hat man seinen Weißbrotmatsch grün gefärbt, und ich kenne Leute die das tun, geht auch der „Gärtner“. 7. Ich probiere alle Jahre wieder neue Wunderfliegen. Und werde es auch weiter tun. War noch kein Wunder dabei. 8. Meeräschenfischen ist ein bisschen wie segeln. Der Vorfachwinkel zum Fisch sollte Am Wind oder Raumschots sein. Der Fisch sieht die Fliege entweder 45 Grad links nach vorn verschwindend oder 45 Grad rechts nach hinten verschwindend. Oder umgekehrt, je nach Fischerstandort. 9. Hat man die Fische nicht verscheucht, ist jede Veränderung im Schwarm oder jede Wolke am Himmel eine neue Chance. 10. Den Schwarm genau studieren, keine Randfische übersehen, nie überwerfen. Tut man es doch, hat man ein 700 Dollar Erlebnis umsonst. Um einen Schwarm so großer Fische aufschrecken zu sehen, fahren andere auf der Bahamas. Das tröstet.

Ingo Karwath