
Liebe Fliegenbinder und Fliegenbinderinnen!
Meine guten Vorsätze für 2026, obwohl ich jederzeit wortreich erklären könnte, ich hätte keine, sind sehr einfach. Ich will weniger und mehr. Ich möchte weniger und mehr, denn als ich klein war, brachte man mir bei ‚will‘ nicht zu sagen. War eher nicht so erfolgreich. Denn sonst gäbe es ja keinen Weg, gäbe es keinen Willen. Also, ich möchte weniger aufschieben und mehr tun. Und das passt gut zusammen. Meine Frau würde es sehr begrüßen, wenn dieser gute Wille sich um Haus und Garten drehen wollte, aber ich denke mehr an Ostsee, Norwegen, Drehbank und Bindestock. Ich habe eine gelbe Kladde, in der ich Ideen notiere und Einfälle skizziere, und das ist nur die Kladde, die der grünen von 2011 bis 2016 und der gelben von 2017 bis 2021 folgte. Da steht notiert welche Maschine ich wann kaufte, es gibt Angaben zu höchst geheimen Tapern von aktiven Rutenbauern, jede Menge Scribble von Bremssystemen und Bindeanleitungen und Landkartenangaben und Einfällen und was auch immer. Sie dokumentieren sowohl ein gelebtes als auch ein ungelebtes Leben. Die Dinge, die ich als aufgeschoben empfinde, möchte ich angehen. Seit ewigen Zeiten wollte ich einen Bobbin bauen, der handwerklich an das Stocker-System erinnert. Arbeitstitel „Stockerbobbin“. Ich habe ein Federbronzeblech mit einer Sperrholzplatte verklebt und auf der Fräse horizontal Streifen gesägt, gefeilt und poliert. Dann habe ich Edelstahlröhrchen abgelängt und an den Enden so glatt poliert, dass man Spiderweb unbeschädigt darin drehen kann. Danach habe ich aus Rotguss Spulenhalter kegelig gedreht. Ja, und dann alles in eine Schublade gelegt. Solche Dinge eben, die will ich hervorholen, und außerdem möchte ich häufiger an die Ostsee fahren. Und überhaupt mehr angeln. Zum Ausgleich will ich weniger mähen, reparieren und tapezieren. Das ist doch nicht zu viel verlangt. Das muss doch möglich sein.
Frohes neues Jahr
Ingo Karwath, am 2.1.26