
Auf der Drehbank schnell gemacht.
In jungen Jahren habe ich meine Fliegen mit Bootslack lackiert, den ich zu diesem Zweck in kleine braune Fläschchen umfüllte, wie man sie früher in der Apotheke kaufen konnte. Dieser Lack hatte die besondere Eigenschaft, nach einigem Gebrauch etwa ab halber Füllhöhe in so einem Fläschchen die beste Konsistenz zu haben. Ich benutzte denselben Lack auch für meine ersten Gespließten, ging dann aber zum teuren Tauchen über. Bin inzwischen wieder beim Pinsel zurück, weil sich tauchen für eine Rute pro Jahr nicht lohnt. Und auch die baue ich nur, um fingerfertig zu bleiben. Beim Fliegenlack bin ich nach vielen Umwegen wieder beim klaren Cellire Nr. 1 zurück, benutze aber auch Nr. 7, den schwarzen. Zusammen mit Zap-a-gap sind das meine wichtigsten Bindechemikalien, dazu eine große Flasche UV Coat aus dem Kosmetikhandel. Der gravierendste Chemieunfall, der sich auf einem Bindetisch ergeben kann, ist entweder ein offenes und umgekipptes Fläschchen Cellire Nr. 7 oder, doppelt so teuer, Zap-a-gap. Die Sache ist aber die: Hat man sein Bindezeug an den guten Fritz Hansen Tisch getragen, den die beste aller Ehefrauen aus Kopenhagen besorgt hat, dann ist das ein Super GAU. Da kriegt man richtig Ärger. Mir kann das eher nicht passieren, denn mein Bindetisch besteht aus zwei 10 mm Multiplexplatten mit Schubladen dazwischen. Selbstgebaut. Und ich habe mir aus Aluminiumresten Ständer gebaut, in die ich problematische Chemie einklebe. Einfach ein Tropfen Heißkleber in das Loch und die Zap-a-gap Flasche einkleben. Kostet fast gar nichts und erhöht die Standsicherheit erheblich. Wer keine Drehbank hat, auch keinen Freund mit einer Drehbank, klebt das Fläschchen auf irgendeine schwere Metallronde. Da wird sich was finden lassen. Außerdem bin ich sicher der Bindehandel hat schon oder hat demnächst diese Idee im Angebot.
Ingo Karwath