
Als ich neulich bei uns im Supermarkt mit dem Handy bezahlte, sagte eine alte Dame hinter mir ganz verwundert: Braucht man gar kein Geld mehr? Die Kassiererin hat es ihr sehr nett erklärt. Nun bin ich selber ein alter Herr und kämpfe darum, so im vorderen Drittel der nachrückenden medialen Front zu verbleiben. Ich komme aus den alten Schneider Euro PC Zeiten, mit Nadeldrucker, hatte so einen Siemens Knochen mit rausziehbarer Antenne, ein Modem mit AOL Adresse, und gehöre zu der Generation, die noch nie am PC gespielt hat. Dat isnen Schreibmaschin! Ich war nie PC oder Handy affin, das Zeug soll einfach nur funktionieren. Typischer Apple-User. Aber ich musste lernen, dass man selbst dort ein Handy braucht, wo man gar keinen Empfang hat. Ich hatte mein Handy in der großen Reisetasche im Motel gelassen, denn für Foto und Film habe ich Kameras, und war dann nur mit dem Angelgepäck von Smithers aus zur Sustut Lodge eingeflogen. Grober Fehler. Nebel verhinderte den Rückflug, und der ganze Reiseplan wankte und stürzte schließlich ein. Nun konnte man mit dem Satellitentelefon von der Lodge aus zunächst Smithers Vancouver umbuchen, ein Hotel organisieren und letztlich Vancouver Frankfurt neu einrichten. Wenn man sein Handy mit Wallet und den ganzen Tickets darin zur Hand gehabt hätte! Die Lösung war dann ein Umschlag mit Ausdrucken in meiner Reisetasche, den das Personal im Motel einsehen und der Lodge übermitteln konnte. Ich kam letztlich heim. Die Botschaft ist klar: Selbst mitten im Nirgendwo, hab‘ dein Handy dabei. Ich gehöre leider zu den Typen, die gern ohne Handy unterwegs sind. Es ist ein Freizeitstörer. Aber irgendwie auch nicht, denn man kann Fotos und Filme machen, das Wetter checken oder mitteilen: Komme drei Stunden später. Drei Tage? Schon auch nett. Als ich dieser Tage meine Fischereiabgabe für Schleswig-Holstein zahlen wollte, stehe dort demnächst am Strand, waren da mal wieder diese Seniorenhürden. Habt ihr Jüngeren die auch? So einfach zahlen geht nämlich nicht mehr. Landwirtschaftsministerium, Kreditkarte, fertig, ne ne, hinten anstellen. Zunächst musste ich zum Bürgerbüro, eine Pin für meinen Perso holen. Dann die AusweisApp auf dem Handy und auf dem Computer laden. Da wird man schließlich aufgefordert seine Pin einzugeben, Handy und PC zu koppeln, die Kartenlesefunktion des Telefons zu aktivieren und den Ausweis mit NFC zu scannen. Das geht nur ohne Hülle, nicht mit. Letztlich aber doch machbar, und derweil man so hin und her gebeamt wird, hat man plötzlich ein BundID Konto und einen digi Perso. Schon cool. Damit kann man nun zur Bezahlung der Fischereiabgabe vordringen und die gewünschten 1 bis 5 Jahre buchen. Kreditkarte eingeben, CVC/CVV tippen, Secure Code abwarten und eintippen, und ping, hat man die Erlaubnis. Meine Fischerei ist mit Wathose und Weste, einer Rute mit Rolle, ohne GoPro am Körper, letztlich noch so wie früher. Handy oben links in der Hemdtasche. Wann endlich kommt die C&F Box mit dem Handy in einer Halterung auf der einen Seite und den Fliegen auf der anderen? Ich will eine.
Ingo Karwath