Cruncher – Ingo Karwath’s Fliegenlexikon Nr. 32

For international readers: The evolution that might have started with the „American Pheasant Tail“.

Ardleigh Nymph. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hennenfibern, greenwell; Rippung: Golddraht oder Ovalgold, fein; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Pfauengras; Hechel: Henne, greenwell. Die Mutter aller „Cruncher“.

Ardleigh Reservoir ist ein Stausee in der Nähe von Colchester, Essex, wurde 1971 fertig gebaut, und machte sich in seinen frühen Jahren einen hervorragenden Namen unter Fliegenfischern. Irgendwann zwischen 2000 und 2010 entstand an diesem Gewässer eine Nymphe, die man „Ardleigh Nymph“ nannte. Zunächst in großen Größen, so 8 bis 10, und in der Gestaltung sehr nah an der „American Pheasant Tail“ und der „Pheasant Tail Nymph“ in John Veniards Buch. Dann aber kam Martin Cairncross mit seinem Buch „Success with Trout“ und machte die Nymphe neu bekannt. Beim letzten Benson & Hedges Wettfischen, der Husten-Konzern musste seine Sportförderung aufgeben, war der „Cruncher“ der Matchwinner. Trotzdem sind sich die Fuselhistoriker in England nicht ganz sicher, wem man den „Cruncher“ nun zuschreiben sollte, denn nachdem Wettangeln damit gewonnen wurden, explodierte die Anerkennung und lockte Trittbrettfahrer an. Martin Cottis wird viel als Erfinder genannt, und die Debatte ist zu 80 % abgeschlossen und jedenfalls nicht mehr heiß. Für uns kann das gut genügen. Mit ähnlichem Eifer wird auch diskutiert, was denn nun der absolut echte richtige Original „Cruncher“ ist, und auch da ist man sich nicht ganz einig.

Cruncher No. 1. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hennenfibern, greenwell; Rippung: Kupferdraht, rot; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Hechel: Henne, greenwell.

Cruncher No. 2. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hennenfibern, greenwell; Rippung: Kupferdraht, grün; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Hechel: Henne, greenwell, Wangen: JC.

Crest Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Goldfasan, Crestfeder; Rippung: Kupferdraht; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Pfauengras; Hechel: Henne, greenwell.

Nemo Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fasanenschwanzfederfibern; Rippung: Mylar, rot; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Pfauengras; Hechel: Henne, greenwell. Rotes Mylar führt immer zum Beinamen Nemo. Das kommt von der „Diawl Bach“. Vom kleinen Teufel.

Also, im Grundsatz schon, da man natürlich Bilder von der „Ardleigh Nymph“ hat und diese auch heute noch verkauft wird, aber die Qualität und Stellung der Hechel ist umstritten. Auch über das Schwänzchen wird diskutiert. Man sieht sogar Crestfibern. Nachdem eine 90 Grad Hahnenhechel im Gespräch war, haben sich Markt und Szene letztlich doch auf eine ca. 45 Grad Hennenhechel geeinigt. Von da an hat der „Cruncher“ eine Entwicklung hingelegt, die wirklich beeindruckend ist. Er gilt als die erfolgreichste Sommernymphe an der Schwimmschnur und Intermediate, wenn man denn die Geduld aufbringt, ihn schön langsam zu fischen. Es haben sich zahlreiche Varianten entwickelt, die dem Grundprinzip der Bindeweise folgen. Der Körper muss aus einer Feder gefertigt werden und die Nymphe kann einen Thorax haben, muss aber nicht, und auch die 45 Grad Hennenhechel ist Pflicht. Hinzu kommen diverse Möglichkeiten die Nymphe zu rippen, und da ist es die erste Pflicht des Binders, mal durch seine Flashaboubündel zu schauen. So ein Fädchen reicht nämlich für mehrere Nymphen und es ist meist nicht nötig, für ein paar „Cruncher“ irgendwelche extravaganten Spulen zu kaufen. Für den Thorax haben sich auch diverse Dubbings bewährt, und die Fasanenfibern für den Körper kann man gut mit anderen Federfibern ersetzen, bis hin zur Biotfiber.

Green Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hennenfibern, greenwell, oliv gefärbt; Rippung: Kupferdraht, grün; Körper: Fasanenschwanzfederfibern, Pikrin gefärbt; Hechel: Henne, greenwell, oliv gefärbt .

Red Fritz Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fasanenschwanzfederfibern; Rippung: Kupferdraht; Thorax: Sparkle-Chenille, rot, Fritz o.ä.; Hechel: Henne, greenwell.

Red Traffic Light Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hennenfibern, greenwell; Rippung: Kupferdraht; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Pfauengras; Wangen: Mylar oder Floss oder Antron, rot; Hechel: Henne, greenwell.

Red Spot Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fasanenschwanzfederfibern; Rippung: Kupferdraht; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Dubbing, fluorot; Hechel: Henne, greenwell.

Bei der Hechel aber gilt der Spruch, zeige mir deine Hennen, und ich sage dir, wer du bist. Hier sollte man mindestens einen guten Balg in Greenwell haben, diese berühmten, an den Pfarrer Greenwell erinnernde Schattierung, über die wir uns heute so uneins sind. Die Hechel hat eine dunkle Mitte und ist außen nicht braun, sondern dunkel ginger. Und allein wenn man das tippt, sieht man die Schwierigkeiten schon aufziehen. Darum spricht man gern auch von „greenwellish“, und meint eine Feder, die ungefähr so aussieht. Einige Händler bieten Bälge an, die sie mit Varianten von A bis E benennen, je nachdem wie dunkel die Mitte ist und wie intensiv das Braun. Das ist dann eine Klassifizierung, die nur für diesen einen Händler gilt. Ich bin darum mit „greenwellish“ sehr einverstanden. Die Nymphe soll ja im Prinzip eine Olive imitieren, und auch das ist bekanntlich ein weites Feld. Obwohl man da gern nur die Baetis rhodani in den Blick nimmt, haben viele andere Eintagsfliegen auch den Beinamen Olive. Darum ist alles was „olivish“ ist mit „greenwellish“ fein zu imitieren. Olives sind meist aktive Schwimmer, und so führt man „Cruncher“ am besten mit der Achter-Schlaufe. Mich erinnert das immer an Ergo-Therapie oder Seniorengymnastik, und es hilft sehr die Bewegung zu automatisieren, um da nicht zu viele Gedanken zu investieren. Nach fünfzig Jahren einzuppeln ist das bei mir locker der Fall. Zum Glück sind „Cruncher“ so erfolgreich, dass man die Achterbündel regelmäßig gegen einen Drill austauschen kann. Man kann in diesen modernen Zeiten ja auch gern mal sagen, dass das Nymphenfischen in Seen und Talsperren, Staus und Teichen mit dem üblichen aufrechten Normalwurf und den hauchzarten Nymphen ein Ort der Bewahrung ist, an dem das Fliegenfischen sich die letzten hundert Jahre nicht änderte. Da ist Schlenz- und Tippfischen echt nicht möglich. In diesem Sinne – Tight Lines im Frühjahr.

Partridge Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fasanenschwanzfederfibern; Rippung: Kupferdraht; Körper: Fasanenschwanzfederfibern; Thorax: Pfauengras; Hechel: Rebhuhn. Die Signaturhechel fehlt.

Brama Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fasanenschwanzfederfibern; Rippung: Silberdraht ; Körper: Fasanenschwanzfederfiber; Thorax: Pfauengras; Hechel: Brama Henne. Hier auch.

Black Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Henne, schwarz; Rippung: Kupferdraht; Körper: Fasanenschwanzfederfibern, schwarz; Thorax: Pfauengras; Wangen: Mylar, blau; Hechel: Henne, schwarz. Verlässt die Farbgruppe, aber gerade noch ähnlich genug.

Killer Cruncher. Haken: Nass- oder Nymphenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Rebhuhn, Fibern; Rippung: Kupferdraht; Körper: Hasenwolle; Rücken: Mylar, pearl; Thorax: Sparkle-Chenille, orange, Fritz o.ä.; Hechel: Rebhuhn. Ziemlich over the top, eigentlich ein Trittbrettfahrer. Aber super fängig in Grafham Water wg. Dikerogammarus villosus.

Ingo Karwath