
Mit oranger Bindeseide ein Fundament anlegen und die vorgestutzte Hechel hinten einbinden. Die Grizzlyhechel gleich mit einlegen.
Mit nur einer Feder eine fängige Fliege zu binden ist ein Erlebnis, das einem die prinzipielle Einfachheit des Fliegenfischens vor Augen führt. Eine französische Variante der „Paysanne“ ist so eine Fliege, für die man die Hechel vorn an der Basis einbindet, einen Hechelkranz wickelt, aus Bindeseide den Körper formt und die Hechelspitze als Schwanz stehen lässt. Sie wird auch mit zwei oder drei Hecheln gebunden, aber immer mit den hinteren Hechelspitzen. Im Prinzip eine aus der Zeit gefallene Fliege, die zu der Komplexität, zu der das Fliegenfischen getrieben wurde, nicht so recht passen will. Aber ohne sich zu verweigern oder in einer bestimmten Richtung zu extrem zu werden, kann man ja mit dem daheim vorhandenen Gerät jeden Fischtag so gestalten wie man mag. Wenn man die Komplexität nicht ins Auto packt, kommt sie auch nicht am Wasser an. Es ist immer mal eine gute Idee, so einfach wie möglich zu fischen. Das übt und schärft dann andere Fähigkeiten, die man mit drei Ruten in den Tragehaltern einfach nicht abruft. Es gibt nicht viele Fliegen, die aus nur einer Feder gebunden werden, und meist sind eher ein paar Materialien mehr auf dem Haken. Jetzt im Winter haben wir kaum Bedarf an Trockenfliegen, aber in der eher kalten Jahreszeit sind es eigentlich nur die Mücken, die in ganz günstigen Fällen mal für Aktivität an der Oberfläche sorgen können. Die Insekten locken Äschen und Forellen, wobei die Forellen meist bis zum 28.2. geschützt sind und die Äschen spätestens ab dem 1.3. Schonzeit haben. Je nach Land oder Region kann das variieren, denn Nicht-Befischung und damit Nicht-Bewatung ist für unsere Gewässer ebenfalls ein hohes Gut. Nicht die Fisch-Biologie allein bestimmt die Termine. In jedem Fall ist es eine fragwürdige Sache, die Saison rein in der englischen Tradition zu sehen und nur von April bis September zu fischen. In den USA gibt es eine ausgeprägte Wintersaison, wie jeder Leser von John Gierach nur zu gut weiß. Darum schauen wir wegen guter Mücken nicht selten über den Atlantik, denn drüben, oder sagt man hüben, haben sich die besten Muster entwickelt. Sie ruhen in einer Tradition, die wir nicht haben. Uns fehlen die befischbaren Tailwater, die ganzjährig Talsperrenwasser abfließen lassen. Die einfachste Mücke, die sich für diese technische Fischerei einen Namen gemacht hat, ist die „Griffith Gnat“, die ein Freund zu Ehren von George Griffith so nannte. Schwiebert experimentierte mit dem Muster und band es mit Floss und Dubbing. Die ebenfalls berühmte „Buzzball“ von Gary LaFontaine nimmt das Thema der „Griffith“ auf und ersetzt das Pfauengras mit einer gestutzten Hechel. Im Original müsste man für die innere Hechel eine orange Grizzlyhechel nehmen. Die hatte ich nicht im Bestand, habe mir aber die Mühe gemacht ein paar zu färben. Man bindet das Muster mit einer inneren, gestutzten Hechel, und windet dann eine Grizzlyhechel hindurch. Mit dieser Idee hat man eine Vielzahl von Kombinationen, die gut fangen können, wenn es gelingt eine bestimmte Vorliebe der Fische herauszufinden. Ins Dunkelgrüne bis Bronzeschwarze muss man nicht konkurrieren, das macht das Pfauengras ganz prima allein. Es ist sicher eine gute Idee mit dem Orange anzufangen und dann sehen, welche Entwicklung sich in der eigenen Fischerei ergibt. Dabei ist 18 sicher eine gute Hakengröße, denn das Muster imitiert nicht etwa eine Einzelmücke, sondern einen Mückencluster, also mehrere Mücken, die sich aneinander festhalten, was ja trotz dieser wirklich guten Idee ein Floß zu bilden meist nicht gut ausgeht. Aber es ist eine Chance.

Den Faden nach vorn führen und die gestutzte Hechel anwinden und überfangen.

Die Grizzlyhechel nun ebenfalls nach vorn winden und die Fliege abschließen. Der feine Kiel der Grizzlyhechel legt sich in die Täler der Stutzhechel. Technisch eine feine Fliege.
Ingo Karwath