Schnapper – Ingo Karwath’s Fliegenlexikon Nr. 30

For international readers: The luxuary palmers for lake, loch and reservoir fishing.

Ein „Snatcher“ ist einfach übersetzt ein Schnapper, aber umgangssprachlich hat sich das Wort eher in der Bedeutung Taschendieb angesiedelt. Amüsant ist die Erweiterung „cradle snatcher“ für einen Mann mit einer viel zu jungen Freundin. Michael Douglas, Bruce Willis, Woody Allen, alles Wiegenschnapper, denn in selbiger lag ihre Frau noch, als sie selbst schon volljährig waren. Schönes Thema, aber gewiss nicht hier. Uns reicht der „Snatcher“ am Vorfach. Der fängige Taschendieb ist eine schottische Erfindung und im Prinzip ein „Palmer“. Nun sind „Palmer“ so alt wie die Kreuzzüge, in jeder Hinsicht, denn die Rückkehrer aus dem Heiligen Land nannte man Palmer, und die an einen Palmwedel erinnernde Fliege holte sich da ihren Namen ab. Fast zur gleichen Zeit. So alt sind „Palmer“. Sie repräsentieren ein Insekt, besonders vorteilhaft eine Köcherfliege, und werden mit zwei, manchmal drei Hecheln gebunden. Der „Snatcher“ gehört schon zur Familie, wird aber entweder auf einem krummen Haken oder aber tief in den Bogen hinein gebunden. Dadurch entsteht seine charakteristische Rundung. Und eine andere entomologische Anmutung, da man für den Körper nur eine Hechel benutzt und diese dann noch an einer Seite abstreifen kann. Im Ergebnis hat man eine diffusere, besser sinkende Fliege, die wie ein Emerger aussieht. Mit ihr kann man viel planvoller machen, was ein Emerger nun mal macht, also zur Wasseroberfläche aufsteigen. Das geht ja nur, wenn man zwei, drei Handbreit Wasser über dem Rücken hat. Sonst geht das nicht.

Black Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Tag: Dubbing, rot; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Sealersatz, schwarz; Hechel: Hahn, schwarz; Wangen: Dschungelhahn.

Kate McLaren Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Tag: Floss, orange; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Sealersatz, schwarz; Hechel: Hahn, schwarz; Kopfhechel: Henne, schwarz; Wangen: Dschungelhahn.

Doobry Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Tag: Floss, rot; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Flachgold; Hechel: schwarz; Wangen: Dschungelhahn; Kopfhechel: Henne, orange.

Bei dieser Art der Fischerei haben die Kollegen in Schottland natürlich flott entdeckt, dass der „Snatcher“ ganz wunderbar funktioniert, wenn die Mücken schlüpfen, oder, wie man dort sagt, die „buzzer buzzen“. Der Begriff rührt daher, dass Mücken an der Oberfläche sehr aktiv mit den Flügeln schlagen und dabei wie ein Mensch, der gerade rudern lernt, an einer Seite zu viel Druck machen. Also buzzern sie im Kreis herum und heben dann ab. Weil Mückenpuppen beim Aufstieg deutlich erkennbare Flügelansätze haben, verfiel man auf die Idee diese mit einem Stück Biot, einem Abschnitt Tinsel oder einer kleinen Jungle Cock Feder zu imitieren. Kann wohl sein, dass man dieser unscheinbaren Manipulation an einer Nassfliege zu viel zutraut, aber andererseits ist es eine kleine Mühe und kostet fast nichts. Jeder Lachsbinder hat Dschungelhahnreste herumliegen, weil er diese kleinen Federn einfach nicht braucht. Die tut man natürlich nicht weg, obwohl sie für „Jassids“ ja auch nur bedingt geeignet sind, wenn zu schlank. Da muss man dann zwei oder drei einbinden. Einzig an einer „Alexandra“ kann man sie vorteilhaft einsetzen. Die „Snatcher“ eröffnen da völlig neue Möglichkeiten für JC Reste, und der Fliegenhandel hat das auch gern wahrgenommen, weil man mit JC natürlich den Preis raufsetzen kann. Für Privatbinder sehe ich eher die Möglichkeit, mehr Mühe und letztlich Liebe in eine Fliege hineinzugeben. Man merkt es leicht an den eigenen Gefühlen. Wenn ich für einen Freund fünf „Snatcher“ binde und die JC’s weglasse, fühlt sich das nicht gut an. Trotzdem muss einem natürlich klar sein, dass die JC eine ‚over-reliance‘ Feder ist. Wir trauen ihr mehr zu, als sie zu leisten imstande wäre. Aber das macht nichts. Zu fünfzig Prozent enttäuschte Hoffnung ist immer noch mehr als Null.

Green Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Mylar, UV grün; Hechel: Hahn, grün; Kopf: Dubbing, grün.

Claret Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Sealersatz, weinrot; Hechel: Hahn, schwarz; Kopfhechel: Henne, schwarz; Wangen: Dschungelhahn.

Red Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Sealersatz, rot; Hechel: Hahn, rot; Kopfhechel: Henne, rot; Wangen: Dschungelhahn.

„Snatcher“ folgen in der Gestaltung oft den bekannten Nassfliegen und werden als Variation ihrer traditionellen Verwandten gefischt. Das ist, als hätten dicke Tanten und Onkel plötzlich schlanke Nichten und Neffen. „Snatcher“ haben ihren Ursprung in Schottland, sind aber in Stan Hadleys Standardwerk „Flies of Scotland“ von 1997 noch nicht erwähnt. Sie sind jüngeren Datums. Man liest immer wieder, sie wären als Buzzer-Imitation im Umfeld von Loch Leven erfunden worden. So richtig Ross und Reiter werden nicht genannt. Dann muss es wohl eine Grassroot Fliege sein, sozusagen aus der Mitte des Fischervolkes gemeinsam erfunden. Im September 2007 war eine „Snatcher“ in Trout & Salmon abgebildet. Von da ausgehend setzte sie sich nicht nur an den Seen und Talsperren durch, sondern gelangte auch ins Repertoire der Flussfischer. Und das gelingt kaum mal einem Stillwassermuster. Wenn der gleiche Verfasser 2019 in „Reflections on the Loch“ dann schreibt, ein Viertel der Fliegen in seiner Allround-Go-Everywhere Box seien „Snatcher“, dann wird einem schon klar, wie sehr dieser Fliegentyp an Bedeutung gewonnen hat. Die restlichen 75 % teilen sich nämlich Cruncher, Hopper, Bits, Sedgehogs, Half Hogs, Traditionals, Bumbles, Buzzer, Cripples, Dabblers, Olives, Flasher, Jointer, Galways, Mini Muddler, dazu Spezialisten wie Daddys, Sedges, Dry Mays und Wet Mays. Daran erkennt man zwei Dinge. Sie alle können kaum 4 % beanspruchen, und meine Liste ist nicht mal vollständig. Und zweitens, ein Ende vom Fliegenlexikon ist wahrlich nicht in Sicht.

Bibio Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Sealersatz, schwarz, rot, schwarz; Hechel: Hahn, schwarz; Kopfhechel: Henne, schwarz.

Blue Bottle Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Mylar, blau; Hechel: Hahn, schwarz; Kopfhechel: Henne, schwarz.

Orange Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Sealersatz, orange; Hechel: Hahn, orange; Kopfhechel: Henne, orange.

Bei der Snatcher-Binderei kann man seine persönliche Vorlieben einbringen, indem man kleine Variationen gestaltet. Man kann die Körperhechel einseitig abstreifen, oder man lässt es. Man kann eine Kopfhechel einbinden oder aber weglassen. Und bei den Wangen hat man die Wahl zwischen Dschungelhahn, Mylar oder Biot. Man kann sie zwischen Körper- und Kopfhechel setzen, oder vorn in den Kopfknoten einbinden. Einige Binder bevorzugen eine halbe JC, was man „split“ nennt. Oder auch ganz weglassen. Dies alles führt zu verschiedenen, aber immer noch ähnlichen Fliegen. Beim Mylar hat man zusätzlich die Möglichkeit, eine UV-aktive Variante zu verarbeiten. Solche Snatcher heißen dann „UV Snatcher“. Ich lasse die Hechel ganz, binde gern eine Kopfhechel ein und bevorzuge, weil ich nach einem Lachsfischerleben endlos viele kleine DC’s habe, die Dschungelhahnfeder. Diese Feder sitzt besser, wenn man eine Kopfhechel gebunden hat, weil die Dubbingschulter des Körpers dann weiter hinten ist. Einen Dubbingkopf finde ich unschön, der ist schwer im Zaum zu halten. Ich habe in meiner Weste immer eine Bindeschwere dabei, siehe Scherenetui 2.0, und kann aus Zuviel jederzeit wenig machen, nur aus wenig viel geht ja nicht. Die kleinen DC’s werten die Fliege sehr auf, und ich mag den Look. So sind wir Binder eben, jeder hat so seinen Twist. Uns allen gemein ist auch, dass wir praktisch drei harte Monate vor uns haben. Man könnte an die Küste fahren. Meerforellen. Aber das ist so hart wie Huchenfischen. So machen Kollegen treibt die Sehnsucht dann doch mal an einen Forellenteich, und da sind „Snatcher“ genau das Richtige. Und solche Teiche sollte bitte keiner herabwürdigen. Sie können recht schwierig sein, und ein fairer Fischer bleibt in jeder Umgebung eine anständige Erscheinung. Also lassen wir die Puffwitze!

Silver Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Flachsilber; Hechel: Hahn, schwarz; Wangen: Mylar, blau.

Dunkelnd Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Flachgold; Hechel: Hahn, orange; Wangen: Biots, gelb-orange.

Milk Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: weiß; Rippung: Ovalsilber, fein; Körper: Dubbing, weiß; Hechel: Hahn, weiß; Kopfhechel: Henne, weiß; Wangen: Mylar, silber. Info: Spitzname von Magret Thatcher, als sie die nationale Spar-Idee hatte, die Schulmilch abzuschaffen! Und das auch tat. Thatcher, the milk snatcher.

Golden Yellow Snatcher. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 14, Emergerform; Bindeseide: schwarz; Rippung: Ovalgold, fein; Körper: Sealersatz, goldgelb; Hechel: Hahn, braun; Wangen: Mylar, gold.

Ingo Karwath