Catskill Dry Flies – Ingo Karwath’s Fliegenlexikon Nr. 34

For international readers: The Catskill dries, well known to the world, and as famous as the people who tied and fished them.

Quill Gordon. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: grau; Schwanz: Hechelfiber, Hahn, medium blue dun; Rippung: Golddraht; Körper: Pfauengraskiel; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, medium blue dun. (Theodore Gordon)

Dark Cahill. Haken: Trockenhaken 12 bis 14. Bindeseide: braun; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, dark ginger; Körper: Dubbing, Bisam, dunkel; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, dark ginger. (Daniel Cahill)

Light Cahill. Haken: Trockenhaken 12 bis 14. Bindeseide: tan; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, pale ginger; Körper: Dubbing, Fuchs, creme; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, braun. (William Chandler)

Theodore Gordon, den man ja den Vater der amerikanischen Trockenfliege nennt, hatte sich schon mit 13 Jahren das Fliegenbinden mit einem Buch von Thaddeus Norris selbst beigebracht. Es gelang ihm dann vergleichsweise früh, erste Ausgaben von „Floating Flies and how to dress them“, 1886, und „Dry Fly Fishing in Theorie and Practice“, 1889, zu besorgen, und nachdem er sie gelesen hatte, schrieb er Halford einen Brief. Der Gordon-Halford Briefwechsel ist in den USA noch erhalten, im Angler’s Club of New York, die in London verwahrten Briefe fielen deutschen Bomben zum Opfer. Der berühmte Halford Brief vom 22.2.1890 ist mit fast allen beigefügten Fliegen, nur die „Macaw Tag“ scheint zu fehlen, wunderbar gerahmt erhalten. Gordon hatte es nicht nötig, die Fliegen zu zerlegen, um ihre Bindeweise zu verstehen. Er hatte ja die Bücher. Selbst geschrieben hat er jedoch nie eines. Genau das aber, das Zerlegen, das Rückbinden, war später mit seinen eigenen Mustern nötig, denn es ist möglich, aber umstritten, dass er einzig und allein seinem Freund Roy Steenrod seine Bindetechniken zeigte. Vielleicht nicht einmal dem. Der Brief von Halford erzeugte bei Gordon eine anglophile Phase, und er beschaffte sich eine englische Komplettausrüstung, bis hin zum Gossamer Faden. Tja, und wenn das alles fein funktioniert hätte, würde es heute vieles nicht geben. Aber Gordon fand schnell heraus, dass das englische Gerät und die Fliegen und Methoden sich nicht bewährten. Und genau an der Stelle nahm die Entwicklung der Catskill Trockenfliegen so richtig Fahrt auf. Die Catskill Region, von holländischen Siedlern so benannt, weil dort Berglöwen lebten, ist etwa 2800 Quadratkilometer groß und liegt 160 Kilometer Nord-Nordwest von New York. Das Gebiet ist Teil der Appalachen. Die berühmte Heimat von Big Foot und Mothman. Der Beaverkill, Willowemoc, Neversink, Esopus, Schoharie und der Delaware fließen dort, und viele Nebenflüsse. Diese Gewässer sind, was die Geschichte des Fliegenfischens angeht, mit Test und Itchen auf Augenhöhe. In amerikanischen Flüssen werden Fliegen von Wellen gebeutelt, von Schaumkronen erfasst und von wirren Strömungen aus der Bahn geworfen. Kreideflüsse sind dagegen so ruhig wie die Oberfläche einer Tasse Tee auf einem Chippendale Tischchen. Gordon machte also den Anfang, Trockenfliegen schlanker, zarter und steifer zu machen. Ein Leib aus abgestreiftem Kiel, Flügel aus Entenfibern, und möglichst gute Hecheln. Es gibt erhaltene Originalfliegen von Gordon. Möglichst gut muss man da wohl relativ sehen. Für uns wäre das fast eine Nasshechel. Andere sollten ihm folgen, und unter den Händen von Hermann Christian, Rube Cross, Roy Steenrod, Ed Hewitt, Walte und Winnie Dette, Harry und Elsie Darbee, Art Flick, Preston Jennings und Art Lee und Ed Van Put fügte sich eine einzigartige Fliege, die man auf einen Blick erkennt: Die Catskill Trockenfliege. Was genau das ist, definierte Harry Darbee wie folgt: „Ein passender Haken, normalerweise ein 12er Perfect; ein vor allem magerer, hagerer Körper aus Dubbing oder abgestreiftem Pfauengraskiel; ein geteilter Flügel aus zitronenfarbenen, gefleckten Fibern einer Brautentenseitenfeder; und ein paar magere Windungen einer unglaublich steifen, sauberen und gläsernen Hahnenhechel, meist entweder blue dun oder ginger. Die Flügel und die Hechel sind vom Hakenöhr ein Stück entfernt, und ermöglichen einen langen, sauberen „Nacken“ zu Lasten eines etwas kürzeren Körpers.“

Light Hendrikson. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: grau; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, light blue dun; Körper: Dubbing, Fuchs, hellgraurot; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, light blue dun.

Dark Hendrikson. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14. Bindeseide: grau. Schwanz: Hechelfibern, Hahn, dark rusty dun; Körper: Dubbing, Fuchs, braungrau; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, dark rusty dun. (Roy Steenrod)

March Brown. Haken: Trockenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: tan; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, ginger; Körper: Poly-Dubbing, tan; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, ginger und grizzly gemischt. (Art Flick)

Im engsten Sinne kann eine Catskill Fliege nur von einer Person gebunden werden, die in der Region geboren wurde. Im engeren Sinne muss man mindestens zugezogen sein, und im allerweitesten Sinne kann man auch in Tokio oder Westerstede wohnen. Wenn man sich an die Regeln hält. Ein besonderes Wesensmerkmal dieser Fliegen, das sehr gern ignoriert wird, ist der Turle Space. Das meint den oben angesprochenen freien Millimeter Stahl hinter dem Öhr. Manchmal auch bis zu zwei Millimeter, je nach Hakengröße und/oder Binder. Dieser freie Platz, ist ja logisch, soll für den Turleknoten sein, der sowohl in der einfachen Form, single turle, als auch in der doppelten Form, double turle, und mehr noch in seiner sichersten Form, dem Katleens 2×2, siehe Jan Grünwald Lax! Seite 186, bei den meisten Fliegenfischern zwischen unbeliebt bis unbekannt rangiert. Der einfache Turle ist für Nylon nicht so ganz glücklich und hat sich beim Übergang von Darm zu Nylon etwas unbeliebt gemacht. Knüpft man den Turle vernünftig, sprich gekonnt, ist er sehr sicher. Das Nylon kommt gerade aus dem Öhr heraus. Die Fliege sitzt perfekt. Es ist darum eine gute Idee, Trockenfliegen mit turle space zu binden und den Knoten wieder mehr zu kultivieren. Wäre jedenfalls mein Aufruf. Gordon benutzte ihn jedoch nicht. Er mochte den Vor-Öhr-Achter. Die Catskill Fliegen sehen aber auch ohne Space gut aus und lassen sich am Clinch erfolgreich fischen. Es wäre falsch die klassische Anbringung zu überhöhen, es ist aber sicher richtig beides mal zu versuchen und das eigene Wohlbefinden mit dem Knoten der Wahl zu verorten.

Gray Fox. Haken: Trockenhaken Gr. 10 bis 14; Bindeseide: gelb (pimrose); Schwanz: Hechelfibern, Hahn, ginger; Körper: Dubbing, Fuchs, hellrot; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Krickente; Hecheln: Hahn, ginger und grizzly gemischt. (Preston Jennings)

Red Quill. Haken: Trockenhaken Gr. 12; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, dun; Körper: Hahn, Hechelkiel, Rhode Island Red; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, dun. (Art Flick)

Able Mable. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, schokoladenbraun; Rippung: Nähseide, bernstein; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hecheln: Hahn, grizzly und rotbraun gemischt. (Ed Van Put)

Die ersten „Quill Gordon“ sahen überhaupt nicht so aus wie wir die Fliege heute kennen, und auch Theodore Gordons Fliegendose in der Sammlung des Anglers‘ Club of New York verblüfft, verwahrte er doch seine Trockenfliegen in Clips. Eine der großen Diskussionen geht um die Frage: Ein Flügel, oder zwei Flügel? Soll man das Bündel Entenfibern teilen, oder eben nicht, und wie soll es sich neigen. Man mag ja gar nicht glauben, wie auf so kleinem Raum so große Entscheidungen möglich sind, und es war möglich, dass Binder und Binderinnen einen Stil entwickeln konnten, und ganz treue Kunden dann sogar Wert darauflegten, ihre Fliegen lieber jeweils von den Damen Dette oder Darbee zu bekommen, während andere parteiisch die der Herren Darbee oder Dette haben wollten. Das wird natürlich etwas esoterisch, wenn da an den ehelichen Bindetischen vorher arbeitsteilig gebunden wurde. Überhaupt kann man zu den Catskill Fliegen sagen, dass sie vermutlich mehr Wellen machen als Wind da ist. Man findet schon ein Dutzend zusammen, aber dann wird’s mühsam. Der Stil an sich wurde zwar auf viele Insekten und Imitationen übertragen, aber die wirklich bekannten Muster bilden einen überschaubaren Kern. Aber der lässt sich locker verdoppeln, denn ob man den Flügel einteilig oder zweiteilig gestaltet, ist bis auf den heutigen Tag fröhlich umstritten. Ich hatte erwartet nach der Recherche aus ein paar Dutzend alten Mustern auswählen zu müssen, aber ich musste meine Auswahl eher dehnen als reduzieren. Eine relativ kleine Region hat eine relativ kleine Menge an Fliegen hervorgebracht, die letztlich weltweit bekannt wurden. Als Carl Benz erstmals 1886 mit seinem Motorwagen durch Mannheim fuhr, war das ja auch nur ein regionales Produkt.

Grieg Quill. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 18; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, badger; Rippung: Silberdraht; Körper: Pfauengraskiel, möglichst hell; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, badger. (Elisabeth Grieg)

Cross Special. Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, grizzly; Körper: Dubbing, Fuchs, creme; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Brautente oder Mandarinente; Hechel: Hahn, grizzly. (Reuben R. Cross)

Gray Quill. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 18. Bindeseide: schwarz; Schwanz: Hechelfibern, Hahn, grizzly; Körper: Hechelkiel, grizzly; Flügel: Fibern, Schulterfeder, Stockente; Hechel: Hahn, grizzly.

Ingo Karwath