Marrow spoon und baby plate

Ein moderner Marklöffel aus Italien und eine Müslischale aus dem Campingbedarf, darunter die Abbildung aus „Nymph Fishing for Chalkstream Trout“, London 1939.

George Edward Mackenzie Skues, geboren 13. August 1858, starb am 9. August 1949 kurz nach 21 Uhr. In der Herbstausgabe des Journals des Flyfishers Club of London erschien ein herzlicher und liebevoller Nachruf. Gleichzeitig eine Aufzählung von all den Errungenschaften, die Skues in seinem langen Leben mit uns Fischerkollegen geteilt hatte. Er hatte diese Liste selbst verfasst und seinem Freund Dr. Barton übergeben, damit dieser sie nach seinem Ableben ins Journal einbringen möge. Darum wissen wir genau, dass Skues dem Marklöffel und der Babyschale für Ufer-Autopsien, in Englisch, streamside autopsie, klingt es etwas besser, aber nicht viel, hohe Bedeutung zusprach. Skues hatte eine Abneigung gegen Magenuntersuchungen bei Forellen mit dem Messer und versuchte dies zu vermeiden. Er trug ja seinen berühmten Beutel bei sich, siehe Dem ollen Skues sein Büddel, und verwahrte seine Forellen in sauberen Tüchern. Es mag wohl sein, dass er an heißen Tagen den Beutel mit Beute eher im Fluss aufbewahrte und dann einen zweiten für seine Ausrüstung bei sich hatte. Eine aufgebrochene Forelle ist in jedem Fall schlechter aufzuheben als eine nicht ausgenommene. Üblich für Untersuchungen war, diese bei der Hütte vorzunehmen, der Fisch musste ja auch vorher gewogen und eingetragen werden, und ganz typisch eine Teetasse oder Untertasse zu benutzen, um den Mageninhalt zu analysieren. Irgendwann 1921, sein zweites Buch war gerade erschienen, muss Skues bei einem Dinner gedankenverloren auf einen Marklöffel geschaut haben. Dieses Instrument gehörte einfach zu jedem viktorianischen Komplettbesteck. Aus diesem Blick entwickelte sich Teil 1 der Idee. Skues nahm einen Marklöffel mit an den Itchen, und siehe da, bei einem abgeschlagenen Fisch (!) genügte eine gekonnte Drehung, und man hatte den Mageninhalt geborgen. Das Gewicht blieb davon fast unberührt. Dass eine Teetasse dann nicht ideal ist, liegt auf der Hand, und Skues kam auf die Idee Emailleteller zu benutzen, die genug Volumen boten und unzerbrechlich waren. An verschiedenen Abschnitten am Abbots Barton Beat verteilte er solche Teller im Schilf, und war nun jederzeit für eine Autopsie gerüstet. Teil 2 seiner Idee. Daheim benutzte er die berühmten Babyteller. Seit 1921 war dieses Konzept die Grundlage aller seiner Bindeideen, und man kann es gar nicht hoch genug einschätzen. Siehe Der große Skues – Ingo Karwaths Fliegenlexikon Nr. 14. Er testete auch gebundene Fliegen in diesen Schalen, Nymphen und Trockene, denn selbstverständlich fischte er trocken, wenn die Fische wirklich stiegen. Fuhr Skues von London aus mit der Bahn ins Wochenende, dann hatte er neben dem Reisegepäck noch seine „WBR“, die world best rod, seine Leonard mit sich, und einen sehr langen Besenstielkescher. Im Zug band er nicht selten Fliegen, die er in Streichholzschachteln in Papierstücken verwahrte. Matchboxes waren damals aus Metall. Er muss auf der Wanderung zum Bahnhof ausgesehen haben wie Gandolf der Weiße. Eine Rute, eine Rolle, ein Besenstielkescher, eine einfache Tasche, ein paar Blechdosen, Tücher, einen Marklöffel, Vorfächer, Priest und eine Schere. Das war‘s auch schon. Those were the days.

Ingo Karwath