Baz’s Mayfly

Ein Dutzend einfache Trockenfliegen kostet in Kenia so um die 2 Euro, was es natürlich reizvoll macht, sich Tausende davon in Pakete packen zu lassen, um sie in Europa für 3 Euro pro Stück zu verkaufen. Der rechnerische Gewinn beträgt 1800 %. Die Frage, ob das gewerbliche Binden je nach Europa zurückkehrt, ist müßig. Der romantische Blick zurück sieht Töchter, Söhne und Frauen, die im Hinterzimmer des Angelgeschäfts der Familie Fliegen binden, derweil vorn am Tresen tweedgekleidete Herren mit dem Patron die Vorzüge bestimmter Dubbings und Hecheln diskutieren. Der Owner ist natürlich selber Fischer und bestimmt die Entwicklung der Muster, die in seinem Laden gebunden werden. So geht das heute nicht mehr. Man benötigt mediengewandte Signaturbinder, denen man ein Gehalt zahlt, für dass sie ein besticktes Hemd tragen müssen, mit dem Sie gut mit Spesen ausgestattet auf Messen binden und so tun, als wären sie einer von uns. Gelingt es ein Muster in die Diskussion zu bringen, muss man das Pflänzchen hegen und pflegen, derweil man die Materialien für Afrika bereitstellt, damit dann dort gebunden werden kann. Dann importiert man die Fliegen und kommt endlich in den Genuss seiner Prozente. Und dieses Konzept, da bin ich sicher, wird sich lange nicht ändern. Ich habe auch gar nichts dagegen, ich bin nur nicht dafür, dass man Fliegen mit dem alten Mom & Pop Image verkauft. Ich finde das „Made in Kenya“ gehört an die Front. Stolz gemacht in Kenia. Von zarten Händen, die nie eine Fliegenrute führen werden. Denen vermutlich auch das Verständnis dafür fehlt, wenn Hände das denn haben, weil Fliegenfischen ja eher nordisch weiß ist. Dann ist es ist okay. Eine Fliege ist nur eine Fliege. Die Klaviatur der modernen Medien wird ja nicht allein von Firmen und Influencern bespielt, sondern hat ja auch die Funktion ein mechanisches Klavier zu sein. Wenn man zu viel Unfug in die Tasten haut, hauen die Tasten zurück, und man kann endlos oft Gold tippen, wenn das digitale Volk Blei zurückgibt. Hat eine Fliege ein gutes Image entwickelt, dann sollte man sie nicht schneiden, nur weil sie kenianisch ist. Für die hier gezeigte „Baz’s Mayfly“ habe ich keinen Erfinder gefunden. Punkt. Da kann ich nun allerlei mutmaßen, aber ich weiß es halt nicht. Was ich weiß ist, dass anscheinend viele Keeper diese Fliege loben. Nun werden die natürlich von genau der Firma beliefert, die sie loben, aber da gibt es ein anders Korrektiv. An den Chalkstreams wird viel Geld verfischt, und mit Guide und mit einem feinen Lunch und Tee ist man da schnell bei 1000 Euro für den Tag. Bietet eine Firma eine solche Veranstaltung für Mitarbeiter und/oder Kunden an, nennt sich Corporate Day, Betriebsausflug, dann haben die Keeper jede Menge Nichtkönner am Hals. Wenn die dann fangen und glücklich sind, und eine Fliege hat funktioniert, dann wiegt das letztlich schwer. Auch hat das automatische Klavier noch nicht die Flop-Melodie gespielt. Darum, die Maifliege kommt, nehmen Sie doch man die hier. Ich habe gerade sechs Stück gebunden. Ging flott von der Hand. Im Kern bin ich Anti-Bürzelianer. Meide CDC wo ich kann. Hier mal nicht.

Einen 10er Trockenhaken mit einem Fundament bewickeln und fünf Fasanenschwanzfederfibern und rotes Nähgarn einbinden.

Aus cremefarbenen Dubbing, hier Fuchs, den hatte ich von den Catskill Dries noch liegen, einen Körper binden und rippen.

Eine silberne Badgerhechel nach hinten weg einbinden und zwei naturfarbene Bürzeldaunen nach vorn.

Die Hechel einbinden und die Federn nach hinten klappen und einen Whip Finish setzen. Natürlich wird die Fliege nicht so aufrecht bleiben, denn die Daunen werden sich neigen und eine Emergeranmutung herstellen. Tight Lines!

Ingo Karwath