For international readers: Tony Biggs present to the world, a true new dry fly of the must have categorie.

Das Urmuster. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: rot; Schwanz: Hahn, Hechelfibern, weiß, zweifache Schenkellänge; Körper: Nilgans, 4 Fibern einer Schwungfeder, mit den Spitzen einbinden, verdrillen, Enden rechts und links lang stehen lassen; Hechel: Hahn, weiß und ginger, deutlich zu groß, 3 mal weiß, 5 mal braun. Whip Finish ohne Lack.
Ob man „RAB“ mit „Rough and Buyont“ oder „Red Arsed Bastard“ übersetzt ist eine Frage der, ja, der was eigentlich. Kinderstube sicher nicht, Herzensbildung, nein, des Charakters, wohl kaum, Bildung, ach ne, Intelligenz, haha, kognitive Komplexität, nö, nun reichts aber. Der eine hat eben so Spaß dran, der andere anders. Man muss ja auch nicht jede Abkürzung aufdröseln. Die Story ist die, dass die Fliege sehr wohl die Arschabkürzung hatte, man aber für die womöglich konservative Mehrheit der Leser des Piscator-Magazins eine neue Interpretation schuf. Die „RAB“ wurde vor recht langer Zeit von Mr. Biggs in Südafrika erfunden, dass es trotz aller Klimmzüge nicht hinbekommt, es auf die Weltkarte des Fliegenfisches zu schaffen. Irgendwie entwickelt sich in den Mutterländern UK und USA keine Akzeptanz. Man lud skandinavische Prominenz ein, die befremdlich reagierte. Und auch wir in Europa nehmen amüsiert zur Kenntnis, dass man dort mit Klippschlieferdubbing bindet, gar Webervögel verarbeitet, und Yellow Fish fängt, erkennen aber in so manchem Bindegeblödel auch keine neuen Weisheiten. Meine Theorie geht dahin, dass das Fliegenfischen in Südafrika uns in eine so befremdliche Umgebung von Gefahr und Armut führt, gefühlt zwischen wütender Kobra und rostigem Smith & Wesson, dass wir dort fremdeln. In der Substanz ist nur ein Streamermuster über Neuseeland in die Welt eingezogen, der „Walkers Killer“. Die „RAB“ ist da ein anderes Kaliber. Trockenfliegen mit Tierhaaren zu binden ist das Fundament von Lee Wulffs Weltkarriere. Das war damals unerhört neu. Heute ist es ein alter Hut. Neu an der „RAB“ ist, dass sich sehr wenig Haare sehr weit aufspreizen und einen Eindruck von Bewegung vermitteln, so als würde ein Weberknecht die Tapete langflitzen. Diese Trockenfliege hat es darum geschafft, dass sich hier und da und mehr und mehr die Augenbrauen heben, und obwohl nun etliche Nachahmerverbesserer das Muster weiter und weiter ruinieren, bin ich ein Anhänger des entwickelten Urmusters. Wenn es das überhaupt gibt. Die Grundidee ist nämlich, dass man eine Trockenfliege mit zwei Hecheln bindet, die wie bei manchen Variants ein paar Millimeter Hakenschenkel abdecken, aber nicht so dicht gebunden werden wie bei einer Baigent Variant, einem Hewitt Spider oder einer Flick Variant, sondern eher lose, weit gewunden. Die Bindeseide muss rot, sein, denn die damalige Theorie war ‚rot lockt den Fisch‘.

Einen leichten Haken der Größe 12 bis 16 einspannen, ein rotes Fundament aufbauen, und einen langen weißen Schwanz einbinden.
Das seither entwickelte Muster hat zusätzlich Flügel und es werden ein paar Haare eingebunden, die man zum Abschluss zu einem Hechelkranz aufstellt. Da ich ein großer Freund der aufrechten Normalhechel bin und meine, man muss nicht alles in Richtung Parachute zwingen, finde ich diese echte „RAB“ natürlich besser als die Interpretationen. Der Haarkranz ist auch keine völlig neue Idee, und in den USA wurde mit allen möglichen Haarfliegen experimentiert, und auch aus GB kennt man „Daddy Long Legs“, die mit langen Haaren aufgerüscht wurden. Aber die „RAB“ hat noch einmal eine neue Erzählung gestartet, denn sie nimmt unseren traditionellen Blick auf und bietet gleichzeitig eine völlig neue Anmutung. Ich sehe sie in einer Linie mit der „F-Fly“, mit der „Usual“, mit der „Dyren“ und mit der „Prawu“. Eine meiner Lieblingsidee ist eine Fliegendose nur mit solchen und ähnlichen Gesellen, Fliegen mit der Vitalität von Wildkraut, aber ich arbeite noch daran sie zu füllen. Hier also die entwickelte „RAB“.

So acht bis zwölf Eichhornhaare mit den Spitzen nach vorn einbinden und dann ein Drittel bis die Hälfte des Hakens mit einem Pfauenkiel bedecken.

Zwei Grizzlyhechelspitzen von zweifacher Schenkellänge spent einbinden und die Eichhornhaare aufspreizen und verteilen. Eine mindestens um zwei Hakengrößen zu große weiße Hahnenhechel hinten und eine ebenso große braune Hechel vorn einbinden. Und ja, ist schon anspruchsvoll.

Der Bindefaden ist hinten. Die braune Hechel in fünf Windungen nach hinten führen, überfangen, und den roten Faden wieder im ZickZack nach vorn führen. Die weiße Hechel drei Wicklungen nach vorn zittern. Schön beachten einen aufrechten Eindruck aller Haare und Fibern zu belassen. Whip Finish.
Und dann mal probefallenlassen. Und? Ein cooler Moment, oder. Es ist, als ruhe die Hand von William Baigent, MD, OBE, auf unserer Schulter. Die Jahrzehnte umfangen uns zeitlos, und ebenso wie unser lieber Vorfahr wollen wir uns bemühen, die Fliege etwa 60 cm über dem Wasser abzulegen, damit sie wie ein Pusteblumensamen hinabfällt. Und dann schaun‘ wir mal.
Ingo Karwath