For international readers: Back to the roots. A flymph is almost a dry fly.

Dr. Lyte Palmer. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: orange; Rippung: Schwertfederfiber und Golddraht; Körper: Dubbing, orange; Palmerhechel: Henne, honey dun, bis zur Mitte; Hechel: Henne, honey dun.
„Flymph. Eine flügellose, künstliche Fliege mit einem weichen, durchsichtigen Körper aus Fell oder Wolle, die sich nass mit dem Unterfaden mischen, mit weichen Hechelfibern, die sich leicht von der Strömung bewegen lassen und den Effekt eines lebendigen Insekts im Wasser erzeugen.“ So steht es auf Seite 126 von in dem berühmten Buch von James E. Leisenring und Vernon S. Hidy. Es ist natürlich so, dass eine Definition wie diese im Prinzip alle möglichen alten Nassfliegen unter ihren Mantel nimmt und ungehörig deckelt. Aber bedenkt man die Vielfalt der Hechelnassfliegen aus den Jahrhunderten seit dem 15ten, so macht es diese und ihre Formen und Geschichten natürlich nicht unsichtbar, sondern hat da eher die Bedeutung eines Klebeetiketts, sozusagen eine Neuauszeichnung, eine Haltbarkeitsverlängerung. Im eigentlichen Sinne sind Flymphs die Fliegen, die insbesondere auf Leisenring und Hidy zurückgehen. Leisenring band drei Sorten Nassfliegen: Geflügelte, behechelte, und kurz behechelte. Während wir erstere ja kennen, letztere eher Nymphen nennen, hatte Hidy die Idee die in der Mitte Flymphs zu nennen. Genau das ist auch das grundsätzliche Problem der Flymphs. Ihre Substanz ist eigentlich nur ihr Name. Aber Flymph ist ein geniales Wort, eine perfekte Schöpfung. Eine Melange von Wet Fly und Nymph, geeignet die Bedenken der Trockenpuristen und der Nymphenpuristen zu befrieden. Wie solche Fliegen auszusehen haben und gefischt werden sollen ist exakt bekannt. Aber in dieser Bemühung um eine Definition steckt trotzdem das Problem.

Old Blue Dun. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: gelb; Schwanz: Henne, rusty blue dun; Rippung: Nähseide, gelb; Körper: Bisam, hinten etwas gelb frei lassen; Hechel: Henne, blue dun.

Blue Dun. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: gelb; Schwanz: Henne, blue dun; Rippung: Flachgold, fein; Körper: Maulwurf, hinten etwas gelb frei lassen; Hechel: Henne, light blue dun.

Light Hare’s Ear. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: gelb; Schwanz: Rebhuhn, helle Fibern; Rippung: Flachgold, fein; Körper: Hasenohr, möglichst hell; Hechel: Rebhuhn, grau.
Wenn man als Allerweltsamerikaner mal so eben hunderte Jahre Entwicklung ungeflügelter Nassfliegen subsumieren möchte, so wie Hidy das im Nachgang von und mit Leisenring probierte, dann ist das ein Vorgang, der mindestens zu Irritationen führt. In etwa so als würde man alle europäischen Rotweine unter Euro-Rot erfassen wollen. Nix mehr Chianti, Rioja oder Bordeaux. Die ganzen Weinapostel müssen sich halt umgewöhnen. Was früher mal Parker Punkte waren wird nun der Napa Index. Nicht zuletzt darum ist der Begriff in Great Britain nicht wirklich angekommen, in Frankreich auch nicht, und man hat weiter Freude daran, die verschiedenen regionalen Nassfliegen fein zu unterscheiden. Auch der Rest der EU macht nicht energisch mit. Die von Pete Hidy geschriebene Definition einer Flymph verlangt nach einer flügellosen Fliege mit einem weichen, durchsichtigen Körper aus Unterfell oder Wolle, bei dem der Faden immer noch durchscheint. Die Hechel soll weich sein und man wirft entweder diagonal stromauf oder quer zum Strom und erwartet den Biss weniger Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Die berühmten „few inches“ kann man wohl mit 5 bis 30 cm übersetzen. Der Biss soll im Prinzip ähnlich gut sichtbar sein wie bei einer Trockenfliege und also eine spannende, visuelle Fischerei bieten. So steht es sinngemäß in meiner 1971er Ausgabe von „The Art of Tying the Wet Fly and Fishing the Flymph“, verfasst von Leisenring und Hidy. Etwas weiter im Text finden wir die Aussage von Leisenring, der sagt er könne jederzeit mit einer flügellosen Nassfliege mehr fangen als mit einer geflügelten. Seine Auswahl bezieht sich auf nur acht Fliegen: Old Blue Dun, Blue Dun Hackle, Black Gnat, Iron Blue Wingless, Light Snipe and Yellow, Pale Watery Dun Wingless, Tup’s Nymph und Iron Blue Nymph. Zusätzlich mochte er den Doctor Lyte Palmer, Black Spider, Red Spider und Dun Spider.

Dark Hare’s Ear. Haken: Nasshaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: orange; Schwanz: Rebhuhn, dunkle Fibern; Rippung: Flachgold, fein; Körper: Hasenohr, möglichst dunkel; Hechel: Rebhuhn, braun.

Iron Blue. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: rot; Schwanz: Henne, dark honey dun; Körper: Maulwurf, hinten etwas rot frei lassen; Hechel: Henne, dark honey dun.

Dun Flymph. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: grau; Schwanz: Henne, blue dun; Körper: Bisam; Hechel: Henne, blue dun.
An dieser Stelle sollte man die Definition ein wenig öffnen, denn Fliegen mit einem Federkörper oder Seidenkörper wie die Black Gnat oder die Snipe & Yellow verlassen ja das Dubbingkonzept. Möchte man diesen Schritt nicht tun, kann man umstrittene Fliegen auch mit Dubbing interpretieren. Auch die Tups und die Iron Blue lassen sich „flymphen“, bindet man ihre Hechel etwas länger. Flügellose Fliegen, also Flymphs, und Nymphen unterscheidet Leisenring allein über die Hechellänge. Nymphen kurz, Flymphs lang. Die 50er Jahre Leser des Leisenring Buches wie John Atherton, Ernest Schwiebert und Art Flick verstanden die zarten Flymphs als geschwisterliche Ergänzung des Trockenfischens. Dazu passt auch die Empfehlung, mit einer IFI Schnur zu fischen, was heute einer DT 2 oder DT 3 entspräche. Das Flymph Fischen unterscheidet sich in der Wahl der Schnurklasse und demzufolge der Rute kaum vom modernen europäischen Nymphenfischen. Aber bleibt natürlich bei der Grundlage des Fliegenwurfes. Obwohl man immer mal Flymphs mit Up Eyed Haken sieht, ist das Down Eye wohl eher der Standard. Es gibt also keinen Grund, mühsam nach den seltenen Up Eyes zu suchen. Ich habe mir unlängst mal wieder 300 Stück hingelegt, in 12, 14 und 16, und man bekommt sie in Glasgow beim Fishing Center. Bei uns wird’s schwer. Die Bevormundung Dinge nicht kaufen zu können hat mich schon als Jungangler in die Arme französischer und englischer Versender getrieben. Das liegt aber auch daran, dass ich so ungern normale Sachen habe. Für die wenigen Tage, die ich mit meinem Enkel Brandungsfischen gehe, habe ich z.B. bretonische Ruten mit tiefgesetzten Multirollen. Enorm gaga.

Snipe & Yellow. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: gelb; Rippung: Golddraht; Körper: Sealersatz, gelb; Hechel: Schnepfe.

Pale Watery Dun. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 14; Bindeseide: gelb; Schwanz: Henne, pale honey dun; Rippung: Körper: Sealersatz, natur; Hechel: Henne, pale honey dun.

Black Gnat. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: schwarz; Körper: Sealersatz, schwarz; Hechel: Henne, schwarz.
In Verbindung mit einem bei Patagonia erschienenen Buch werden Flymphs von Yvon Chouinard in einem Video mit einem 2x, gar 3x schweren Haken empfohlen. Der Kamasan B 175 ist meines Wissens ein 3x. Das weicht zwar von der Tradition ab, aber Yvon ist ein weltreisender Vielfischer. Er spricht von Tagen mit fünfzig Forellen. Das muss man also zur Kenntnis nehmen und bedenken. Mit der eigentlichen Tradition hat es keine Schnittmenge. Der berühmte Leisenring Lift, also das Zurückstoppen und zarte Anheben der Fliege, ist im Buch selbst nur eine kleine Passage. Leisenring schreibt dazu, dass seine Fliege im wahrscheinlichsten Moment des Bisses ihre beste Performance haben soll. Leider hat sich das Bild eines Armliftes verfestigt, derweil ein kleiner Zupfer genügt. Der Nassfischer zubbelt pausenlos, der Flympher einmal! Also wirft er letztlich genau wie Halford oder Skues einen Fisch in Position an, nur eben seitlich oder von oben, und lässt dann seine Fliege ein wenig zur Wasseroberfläche ansteigen. Da er schwere Haken nur für Nymphen empfiehlt, also kurz behechelte Imitationen, ist der Leisenring Lift mit Flymphs die Bewegung, die sich nicht vom etwa Grund nach oben ergibt, das wäre eher Sawyer, sondern aus den wenigen Inches, die ein leichterer Haken bis zum Fisch einsinken konnte. Will man sich dem System nähern, muss man den Oberbegriff Flymph für altbekannte Hechelnassfliegen akzeptieren und sich nicht daran stören. Dann wird alles ganz einfach. Und man muss akzeptieren, dass diese Fischerei an ihren Rändern so beweglich ist wie die Fusel des Dubbings, die Fibern der Hechel im Wasser. Also die Fliegen innerlich nicht vektorisieren, sondern grob verpixeln. Dieser Vergleich, den man Leisenring und Hidy erklären müsste, nimmt nicht nur die Schärfe aus der Fliege, sondern auch aus jeder zu ernsthaften Diskussion. Flymphs und der Leisenring Lift sind eine Anmutung, die nicht in Mamor gehauen wurde, sondern wie ein Aquarell daherkommt. Können wir so verbleiben.

March Brown Flymph. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Fibern, Grouse; Rippung: Goldtinsel, fein; Körper: Hasenohr, sehr dunkel, ev. etwas schwarz einmischen; Hechel: Grouse.

Peacock Flymph. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: gelb; Schwanz: Henne, light blue dun; Rippung: Golddraht; Körper: Dubbing, peacock green; Körperhechel: Henne, light blue dun, bis zur Mitte; Hechel: Henne, light blue dun.

Grey Flymph. Haken: Trockenhaken Gr. 12 bis 16; Bindeseide: grau; Schwanz: Henne, grizzly; Körper: Sealersatz, grau; Hechel: Henne, grizzly.
Ingo Karwath