
Wenn wir im Sommer unsere Büros verlassen, unsere Werkhallen, Praxen, Kanzleien oder Lenkstände, wo auch immer wie arbeiten, wenn wir aus unseren Sesseln, Couches und Hängematten desertieren, da wir schon pensioniert sind, dann vollzieht sich die große Metamorphose. Gerade noch hatten wir weiche Hände und einen krummen Rücken, müde Augen und schmerzende Knie, doch nun sind wir wieder Ganztagsfliegenfischer. Ganz harte Kerle, wie Corbett in Indien, Tigerjäger, oder Patterson in Afrika, Löwenjäger, oder Quint vor Amity, Haiangler. Leider ist das eine Theorie, die nicht ganz hinhaut, und bevor nun Simms Pharmazeutika und Nahrungsergänzungsmittel für Fliegenfischer auf den Markt bringt, hier ein paar Tipps von mir. Das Kinderspiel Kniechen, Näschen, Öhrchen bringt uns auf die richtige Spur. Wenn die Knie schmerzen, kann man wenig machen. Ich kenne Kollegen, die sich vor der Saison Hyaluronsäure spritzen lassen, aber das ist schon starker Tobak. Meine Knie sind beidseitig aufgeräumt, also Menisken versäubert, und funktionieren sehr gut. Toi, toi, toi. Ein Hilfsmittel, das ich sehr gut fand, war vor der ersten OP eine Kniebandage. Das hat mir echt geholfen, aber ich war doch so wackelig, dass ich bei einem Drill mit einem 112er an der Gaula viermal stürzte. Derweil die GoPro lief. Vielleicht bringe ich das mal. Ist ein bisschen peinlich. Knieprobleme zu diesem Zeitpunkt im Jahr kann man vermutlich nur akzeptieren und mit Pillen dämpfen. Mit dem Näschen haben wir eigentlich nichts, mit den Öhrchen auch nicht, aber beides kann man sich ebenso wie die Handrücken kräftig verbrennen. Ein Fliegenfischer sollte also Sonnencreme bei sich haben, mindestens im Auto. Auch die Augen können mal Probleme machen, weil wir wie die Captains Courageous zu viel aufs Wasser starren. Da hat man dann rote Klüsen, wie man im Norden sagt. In diesem Fall greift der gut vorbereitete Fliegenfischer abends zu Berberil und gönnt sich ein paar Tropfen. Derweil wir vom Tagträumen, große Forellen, ins Nachträumen hinübergleiten, große Forellen und (hier bitte einsetzen was immer man sich traut), strecken wir unsere gepflegten Füße wohlig von uns. Ja, die Füße, so viel wichtiger als Socken, Watschuhe, Wathose, und ein klein wenig Aufmerksamkeit tut ihnen richtig gut. Eine gute Creme ist mindestens so fängig wie Gink, denn wer länger geht und steht fängt mehr. Das gilt eingeschränkt auch für die Hände, obwohl Männerhände ja ganz gut ohne Handcreme auskommen. Aber es ist ja für einen guten Zweck, und wer zwölf Stunden fischen will kann ja mal gucken ob es hilft hier und da mal zu pflegen. Man kann mit einem Labello anfangen. Mir ist schon klar, dass wie nicht gerade eine Zielgruppe für solche Produkte sind, aber wenn man bedenkt, dass Hans Gebetsroither den gleichnamigen Wurfstil beim Pflegen von Seidenschnüren entwickelte, dann können wir doch wohl sagen, dass Pflegen an sich unter uns keinen schlechten Ruf hat. Wir müssen nur noch das Konzept von Mucilin auf andere Cremes übertragen und ein wenig an uns selber denken, damit wir Corbett, Patterson und Quint am nächsten Tag wieder gleichen wie ein Ei dem anderen. Außen soft.
Ingo Karwath