For international readers: Some ideas for a good picnic. And that’s an understatement.
Die Star-Tankstelle in Tarp und die Bäckerei gegenüber und die Fleischerei Carstensen betrachte ich als enge Freunde, die mir vor Jahrzehnten der Zufall bescherte. Diesel, Tüte Brötchen, vier Wiener und eine große Mettwurst sind der Einkauf, der mich viele Jahre lang über die Grenze nach Dänemark begleitete. Dabei entstand eine einseitige Abhängigkeit, und auch bei Familienreisen sprengte ich das liebevoll vorbereitete Picknick an der Middelfart Brücke mit meinen Wienern. Nur zusammen mit einem trockenen Brötchen entsteht dann dieses wunderbare Gefühl, demnächst mit der Fliegenrute am Strand stehen zu dürfen. Überhaupt kann ich auf eine lange Geschichte der Picknick-Unkultur zurückblicken. Mein Freund Udo Hildebrandt hatte in jungen Jahren eine ausgesprochene Vorliebe für Südfrankreich und Spanien, war nach einer Fiat 500 Rallye-Phase ein Renault R4 Liebhaber und fuhr die weite Strecke lässig ab. Dadurch kam er schon früh in Kontakt mit Leckereien, von denen ich keine Ahnung hatte, und konnte Serrano, Pata Negra und Chorizo bereits buchstabieren, als wir hier alle noch Jagdwurst kauften. Das färbte auch auf sein Picknick Verhalten ab, und guter Käse, Stracke aus Carlo Porto, Baguette und eine Flasche Wein durften es schon sein. Ich dagegen gab mein Studigeld für Sachen aus, die ich mir nicht leisten konnte, Fliegenruten, Kunst, Antiquitäten, und war auf trockene Brötchen sozialisiert. Wog 76 Kilo bei 188. Außerdem richtig grell aufs Fischen, und so stand ich oft mit einem trockenen Brötchen im Bach, während am Ufer noch geschlemmt wurde. Dieses Verhalten ist tief in mir angelegt, und nur so nach und nach fand ich zu einem einigermaßen würdevollen Ufer-Essverhalten. Behaupte ich mal.

Kalte Meerforelle mit Kartoffelsalat und Rührei. Bei Kartoffelsalat hat ja so jeder sein Hausrezept. An der Küste mache ich mir gern Pellkartoffeln mit einer Vinaigrette mit Schalotten und Schnittlauch a la Hemingway, Paris – Ein Fest für‘s Leben. Meerforellenfilet einfach am Abend vorher in Butter braten, ein Filet essen und eine Seite kalt werden lassen. Remoulade dazu gern aus der Tube, denn wer im Sand sitzt braucht‘s praktisch.

Köfte mit türkischem Salat. Rinderhack wie üblich würzen und mit Knoblauch, Oregano und Kreuzkümmel eine türkische Note einbringen. Köfte formen und braten. Mit Gurke, Paprika, Tomate, Spitzkohl und viel Dill einen Salat mixen und mit Olivenöl anmachen. Joghurt mit mildem Ayvar mischen und in ein Schraubglas füllen. Auch den Rest praktisch verpacken und am Strand rekombinieren. Schmeckt wie Urlaub in der Türkei, nur eben ohne Bikiniwatching aber mit Meerforellen.

Hühnchen, Ei, Tomate, Gurke, Apfel, Stockbrot, Bier. Klingt kompliziert, ist aber supereinfach in der Vorbereitung. Schon beim Frühstück kocht man sich ein paar Eier mehr und brät so nebenbei auf kleiner bis mittlerer Hitze zwei Hühnerbrüste in viel Butter. Ich mag’s gern in Richtung Paprika und schmeiße noch ein paar Knoblauchzehen und einen Zweig Thymian dazu. Holt man sich den zweiten Kaffee mal kurz kontrollieren, nach dem Kaffee sind sie fertig. Warm in Alufolie packen, Tomaten waschen, Gurke und Apfel einpacken und eine Dose Knack & Back Brötchen in den Rucksack. Hat man das Gefühl Picknick zu wollen, ein Feuer machen, einen schönen Stock suchen, oder mehrere, und je ein Brötchen lang ziehen und um den Stock fiedeln. Das Huhn kann man auch noch kurz warm flämmen, und dann steht einem Spitzenpicknick nichts mehr im Weg.
In Dänemark habe ich schon so viele Wochen verbracht, dass ich fast drei Jahre dort „gelebt“ habe, so über fast 50 Jahre verteilt. Ich spreche beschämend wenig, kann es aber flott lesen und teils gesprochen verstehen. Sommerurlaub mit der Familie, 2 bis 3, Angeltour im Frühjahr und Herbst, je 1, summiert sich auf mindestens 4 mal 40 Wochen. Unglaublich, so im Nachhinein. Ich habe also im Umgang mit Ferienhäusern eine gepflegte Übung, will sagen ich kann ihre Vorteile gut wahrnehmen und ihre Nachteile akzeptieren und ausgleichen. Die Ausrüstung der Küche ist meist so wie der Lebensstil der Besitzer auch, und mal findet man gute Pfannen und Töpfe, viele Siebe und Auflaufschalen, gute Schneidbretter, Austernmesser, Krebsgabeln und Hummerbesteck, mal findet man dürftigen, uralten Ikea Schrott. Ein Supermesser, ein Schneidbrett und eine gute Pfanne nehme ich immer mit. Außerdem ein paar Gewürze, Butterschmalz, Paniermehl, Quark, Aufbackbrötchen, Käseauswahl, ein paar Flaschen Wein, Stracke, Landjäger, Knack & Back und Zitronen. Der Super Brugsen in Dänemark ist meist besser sortiert als viele Märkte bei uns, aber dafür auch extrem teuer. Spart außerdem Zeit.

Sandwiches aller Art. Mein erstes Sandwich mit Thunfischspread bekam ich von Charles Brooks im Yellowstone Park. Col. Eugene Stamm und Charles hatten mich unter ihre Fittiche genommen und zeigten mir den Park. Mrs. Stamm hatte ich leckere Paste gemacht. Ich war völlig begeistert. Unten im Fluss standen die Cutthroats wie die Goldfische, es waren die 80er Jahre, und obwohl an dieser Stelle alle Besucher ausrasten, blieb ich die Ruhe selbst. Die Forellen ließen sich supereinfach mit einer Traun-Nymphe fangen und haben mich wenig begeistert. Von dem Sandwich rede ich bis heute. Man mischt einfach Thun aus der Dose oder kaltes Hühnchen mit Mayo und gibt Zwiebeln, Kapern, Petersilie und Sellerie dazu. Alles schön klein gewürfelt. Brot, Butter, Salatblatt, fertig. Man kann Tomaten auflegen. Muss man aber nicht. Auch sehr lecker aber komplizierter ist das Bauer-Power Sandwich von Niklas Bauer. Man baut es mit Bruschettapaste, Zwiebeln, Aioli, Kochschinken, Avocados, Mozzarella, Balsamicocreme und getrockneten Tomaten.

Quiche Lorraine mit Salat und Weißwein. Alle Quiches schmecken auch kalt. Rezepte gibt es in Mengen im Internet. Dazu ein Blattsalat mit Vinaigrette und fertig ist die Show. Mit einem kalten Glas Weißwein fast zu edel für den Strand. Passt aber gut zu 1500 Euro Ruten…

Antipasti mit Vino. Für dieses Picknick mache ich gern einen Umweg über den Schulweg 7 in Eckernförde. Andronaco. Ein Supermarkt von außen, in Wahrheit ein Paradies. Hier kauft man an Aufschnitt, Käse, Oliven, Tomaten und Brot was man möchte, sucht sich eine Flasche Vino dazu, und wenn es einen Tag gibt, an dem man mal auf eine Meerforelle verzichten mag, dann dieser. Ohne eine so gute Einkaufsmöglichkeit muss man nehmen was man kriegt, aber Italienstimmung am Wasser kommt immer gut.

Landjäger, Danbo, Bier und Brötchen. Easy, oder. Ich bestelle meine Landjäger bei einer Fleischerei im Glottertal und suche mir bei einer Bäckerei in der Umgebung meiner Hütte ein akzeptables Brötchen dazu. Klingt verwöhnt, schmeckt mir aber besser als irgendein polnisches EU Produkt in Plastik. Bis auf die Vorbereitung das einfachste Picknick überhaupt. Nur ‘ne Tafel Schokolade wäre einfacher. Aber die macht Hunger.
Das für mein Leben bedeutsamste Picknick fand an der Diemel bei Trendelburg statt. Dort gab es in den 1980ern wunderbar dicke Äschen bis über 50 cm, und Udo hatte rausgefunden, wie man sie in den tiefen, ruhigen Strecken mit der Nymphe fängt. Dort bekam ich meine ersten Scheiben Ahle auf Graubrot mit Gürkchen. Seither haben diese Wurst und ich eine glückliche Beziehung. Unvergessen auch das Herings-Picknick mit Bertil Ekholm Erb und Gunnar Johnson auf einem schaukelnden Bootchen über Schärenhechten. Nicht weniger das Picknick mit Charles und Eugene an der Furt der Forellen. Steckerlfisch auf der Fischerinsel an der Traun war kein Picknick, das war ein Gelage. Und besonders in Erinnerung mehrere Picknicks mitten in der Wildnis am oberen Sustut, mit sorgfältigster Aromen- und Krümmelkontrolle wegen der vielen Grizzlies. Die Suppe wurde immer mit dem Wind über den Fluss aufgewärmt, und nach dem Essen wurde der Boden auf Krümmel und Reste kontrolliert, damit der Platz nicht auf eine Grizzly Wanderkarte kam. In Norwegen habe ich mir Jahr für Jahr am Wasser einen Grilse gebraten. In Schottland wurde ich ebenfalls erstklassig versorgt, und am Skeena grillten wir Steaks und Würstchen auf einer Fahrradfelge und es fiel der Satz: Its a hard life, but somebody has to do it. Das schönste Picknick ist jedoch immer das nächste. Nächste Woche. Am Strand. Ich freu‘ mich.

Steak vom Feuer mit Kräuterbutter, Pilzen und Kartoffeln. Das wäre ja so romantisch das am einsamsten Strand zu essen, aber meine Feuerplatte wiegt 5 Kilo und einen Beutel Holz braucht man auch. Man benötigt also eine geeignete Stelle in der Nähe des Autos. Außerdem sollte man in der Natur keine Brandflecken verursachen, und das gilt auch für Sand und Gestein. Nachdem man das alles richtig erwogen hat, macht man unter der Platte ein schönes Feuer und heizt sie vor. Die Pellkartoffeln sind vorbereitet, die Pilze geputzt, und man beginnt mit dem Steak. Man kann es einölen oder trocken braten, auf Meersalz oder ohne, und ich denke mal, so eine Nummer machen nur Leute die sich auskennen. Die Pellkartoffeln können gleich mit drauf, aber nicht gerade die heißeste Ecke. Pilze sind wie Eier, fünf Minuten genügen. Für beides braucht man Öl oder Butterschmalz. So ein Essen macht man nur einmal die Woche. Aber einmal muss sein. Gern mittags, denn wer will abends schön essen, wenn die Stunde der Räuber naht. Da genügt ein Hustenbonbon.

Französisches Picknick für Genießer. Hier könnte man nun große Dinge von mir erwarten, aber im Prinzip ist es eher einfach. Man macht aus 200 g Mehl, 200 g Quark, 3 Eiern, 50 ml Olivenöl, 50 ml Milch und je einem Teelöffel Backpulver und Salz und Pfeffer einen Teig, kann Kochschinken, Oliven, getrocknete Tomaten, Salami, gebratete Pilze, Käsewürfel oder was auch immer zugeben und backt kleine Kuchen damit. Eine kalte Flasche Rosé, etwas Frischkäse und fertig ist das Picknick, das den Ostseewind zum Mistral macht.

Ich weiß sehr wohl, dass so eine Picknick-Kultur sich entwickeln muss. Junge Fischer werden mit dem Kopf schütteln. Klar kann man mit dem Brötchen in der einen Hand immer noch werfen, aber der Tag wird kommen, an dem man ein Stück Käse dazu möchte, vielleicht einen Schluck Wein, und dann findet sich alles wie von selbst. Bei mir zählt auch gerollter kubanischer Salat als vollwertiges Picknick.
Ingo Karwath