Sandalen auf Beton

Häfen, Kaimauern und Molen an der Ostsee werden selten oder nie als Angelplatz für Meerforellen empfohlen. Das ist sehr schade, denn oft sind sie im Bereich exzellenter Strände, und es gibt sogar Häfen, in denen ein kleiner Wasserlauf mündet. Manchmal Sperrzonen bis zum 15.3., aber danach eben nicht mehr. Im Sommer kann man hier natürlich keine Fliegenrute schwingen, da ist es zu belebt. Aber bis in den Juni hinein ist das nur mäßig und ab Ende August auch eher ruhiger. Nur in Häfen gelingt das, was uns watend so selten gelingt, nämlich eine Meerforelle mal ganz lässig unter Segelbooten schwimmend zu beobachten. Sie ist schließlich ein Fisch und kein Schneeleopard, und weiß gebaute Strukturen durchaus zu nutzen. Hafenlampen sind ein Bonus. Da kann man richtig Glück haben. Nun sind viele Häfen pittoresk und schön anzusehen, aber als Meerforellenfischer muss man da seine Streetfischer-Gene bemühen, so man welche hat. Hat man sich selbst überzeugt es zu versuchen, hat man die richtige Tageszeit ohne zu viel Publikum gewählt, dann fehlt eigentlich nur noch der lange Kescher, den alle Streetfischer bei sich haben. Ohne den geht es nicht. Sehr praktisch sind auch eigene Kinder, mit deren fröhlichem Krabbenangeln man seine ernsthaften Versuche ganz gut kaschieren kann. Oder Enkel.

Ingo Karwath