For international readers: Tying tips for soft hackles.
Weiche Feder“ wäre nun wirklich kein schöner Indianername, auch wenn die Fliegen, die wir mit solchen binden, ganz große Krieger sind. Eine „soft hackle“ macht ihrem Namen gelegentlich alle Ehre und reißt ab. In der Regel meint der Begriff Körperfedern oder Deckfedern von Wildvögeln. Alte Bindeanleitungen nennen da munter alle möglichen geschützten Arten, die man unter unseren Bestimmungen weder kaufen noch schießen oder fangen kann. Es hängt nur wirklich keine Seligkeit daran, mit solchen Federn zu fischen. Sie waren früher normal, und so hat man sie normal verarbeitet. Heute benutzen wir passenden Ersatz, aber wie später noch zu sehen ist, sind selbst die üblichen Hecheln schwer unterscheidbar. Also bitte keine Jagd auf Ralle und Wiedehopf! Manche Federn sind dabei haltbarer als andere, und Rebhuhn, partridge, ist z.B. wesentlich empfindlicher als Moorhuhn, grouse. Aber es kommen viele Variablen hinzu. Wie alt war der Vogel, von welcher Stelle genau kommt die Feder, wie alt ist der Balg, wie wurde er gelagert. An jungen Vögeln sind die Federkiele dünner, und vier Jahre im Heizungskeller oder Sonnenlicht sind auch nicht gut. Im Prinzip kann man an diesen Umständen aber wenig bewegen, und ich habe Bälge, deren Jahrgänge höchstens für einen Bordeaux gut wären, so alt sind die. Die Lagerung erzeugt eine Brüchigkeit, die man auch mit wässern und fetten nicht mehr richtig umkehren kann. Vorbereitete Softhecheln vor dem Binden wie früher die alten Vorfächer zwischen Filz feucht zu halten ist trotzdem hilfreich. Als Binder muss man darum die Entscheidung treffen, in welchem Moment im Bindeprozess die Feder reißen soll – wenn sie reißt. Und diese Entscheidung muss man abwägen mit dem Aussehen der Fliege. Eine behechelte Fliege sieht in der Regel besser aus, wenn die kürzeren Fibern weiter hinten sind, die längeren aber vorn beim Öhr. Das hat sich bei Trockenfliegen bewährt, weil sie dann weniger leicht aufs Öhr kippen können. Die alten Kollegen warfen Fliegen stets auf die Tresenplatte im Angelgeräteladen und kauften nur die, die gut landeten. Heute bestellen wir ja eher im Internet, aber ich habe den Vorgang überall auf der Welt schon beobachtet. Also, überall wo ich mal war. Ist ja nicht die Welt.

Eine Hechelklemme kann man gut mit Silikonschlauch tunen. Hält besser, greift weicher.

Mit Schrumpfschlauch nicht minder.

Bei empfindlichen Federn die leichteste Klemme benutzen. Diese hier wiegt 2,86 Gramm und ist so alt wie meine Bindekarriere. Ich kaufte sie mit 17. Die große Klemme, mit dem grünen Silikon, wiegt dagegen 10,67 Gramm. Bei exakt gleichem Alter.

Federkiele immer längst greifen und im Bindevorgang möglichst nicht knicken.
Bei weich behechelten Fliegen, die allein schon wegen des kurzen Kieles eine Hechelkranzbasis von nur 2 bis 3 mm erzeugen, ist die Lage der kurzen Fibern kaum erkennbar. Fange ich mit der Spitze an, sind die kurzen Fibern hinten, binde ich die Basis ein, liegen sie vorn. Sicher wird kein Fisch mehr oder weniger gefangen, weil man die eine oder andere Entscheidung getroffen hat. Aber auf einen schnellen Blick sieht eine Fliege auch hier besser aus, wenn die kurzen Fibern innen, also hinten sind. Bindet man die Spitze ein, und sie reißt, muss man die Windungen zurück wickeln und noch einmal ansetzen. Ist die Feder dann angeschlagen, nehme ich meine leichteste Hechelklemme und halte den Atem an und mache die erste, zweite Wicklung. Ab da ist man meist auf der sicheren Seite. Das dicke Kielende kommt nun vorn an und muss unter den Kopfknoten. Hier kann es mit Brüchigkeit noch einmal Probleme geben, und der Kopf kann unansehnlich werden. Außerdem muss man schneiden, denn abreißen kann man in der Regel nicht. Ich bin ohnehin ein Gegner des Abreißens. Uncool. Ist in der Chirurgie nach dem Nähen ja auch nicht üblich. Bindet man die Hechel mit der Basis ein und greift die Spitze, dann reißt die Spitze und man muss nachfassen. Kann aber auch sein der dickere Kiel bricht an der Einbindestelle. Dann muss man ebenfalls neu ansetzen. Passiert das zweimal, ist die Hechel erledigt und man braucht eine neue. Ich gebe gern einen Tropfen Lack auf die Einbindestelle, denn der Lack vom Kopfknoten wird nicht bis hinten hin verlaufen. Beim zweiten Versuch ist man behutsamer und kommt vorn an, hat dort den Vorteil einen kleinen Kopfknoten zu bekommen und könnte die Spitze abzupfen. Beide Methoden liegen händisch so nah beieinander, dass man in der Produktion eigentlich nicht wählen müsste. Beides führt in ähnlicher Zeit zu einer fängigen Fliege. Aber sehen wir uns doch die Ergebnisse im Detail an.

Rebhuhnhechel an der Spitze eingebunden. Die gute Seite zeigt nach hinten unten. Vermutlich die am weitesten verbreitete Methode. Mein persönlicher Tipp: Die Spitze einfach stehen lassen. Das zweite Bild zeigt das Ergebnis. Die Spitze ist innen sowieso unsichtbar. Den Kiel umzuknicken und dann sichtbar stehen zu lassen ist handwerkliche Absicht.

Rebhuhnhechel an der Basis eingebunden. Die Spitze zunächst nicht kappen, sondern einfach nach hinten umlegen. Kann man sie deutlich erkennen, doch kürzen. Auch hier das Ergebnis. Wie man sieht wird das eleganter, weil der dickere Kiel innen verborgen bleibt. Meine Methode ist trotzdem die obere, für Fotos zuweilen aber auch nicht. Die Kamera ist gnadenlos.
Meine Methode ist eben die, eine Weichhechel an ihrer Spitze einzubinden, mit der inneren Seite nach oben. Dabei ist mir die Biegung der Fibern egal, ich möchte nur, dass die farblich schönere Seite eher zum Fisch nach hinten zeigt. Die ersten fünf Wicklungen über das Hechelbett erfolgen von vorne nach hinten. Ich schneide die Spitze nicht ab. Dann tupfe ich etwas Lack auf die Wickelstelle, setze meine kleinste Hechelklemme so an, dass ich den Kiel längs erfasse, und mache zwei vorsichtige Wicklungen. Trotzdem fest, aber wie viel Zug eine Hechel vertragen kann, weiß man vorher nie. Hat der Anfang gehalten, kann man mutiger werden, und ich beginne bei den Drehungen die Fibern zu doppeln, also nach hinten zu streifen, und achte darauf beim Fixieren des Kieles seinen Winkel zum Hakenschenkel schön spitz zu lassen. Ein Knick ist hier sehr ungünstig, und auch eine sehr fest angezogene erste Fixierwicklung sollte man vermeiden. Beides erzeugt Brüche. Ich presse den Kiel nach hinten und mache einen Whip Finish. Nicht schon vor dem Knoten abschneiden. Der Whip drückt den Kiel unsichtbar in die Hechel, schnippt man ihn dann kurz ab, hat man die beste Festigkeit. Ich lackiere immer, aber für die Alltagsdosen nur einmal. Wichtig ist der Lack, den man nicht sieht, also die Portion, die in die Hechelbasis eingezogen ist und sie mit dem Fadenfundament verbindet. Da ich schon das Fundament dünn lackieren, habe ich die optimale Haltbarkeit. Weichhecheln sind notorische Selbstzerstörer. Ein Forellenzähnchen und sie rollen sich ab. Möchte man an seinen Nassfliegen einen Catskill-Kopf haben, einfach ein, zwei Millimeter vor dem Öhr abschließen, drei Haltewindungen, drei Whip-Wicklungen und lackieren. In der Binderei sind viele Dinge weder auf Fotos noch in Videos sichtbar. Das kann Bindeneulinge irritieren. Die Fadenspannung z.B. ist nicht darstellbar, und ein Foto kann nicht zeigen, wie der Binder vorher an der Fliege mit Daumen und Zeigefinger und Fingernagel rumgedrückt hat. Diese Dinge muss man sich selbst erschließen, und das geschieht durch Übung ganz von selbst. Die verschiedenen Federn verdienen verschiedene Vorurteile, was ihre Haltbarkeit angeht, aber das gleicht sich durch den Zufall aus, je nachdem was man sich da gezupft hat. Man bemerkt schnell wie viel Gramm man ziehen kann und stellt sich ein.

Fasanenkörperfeder vom Hahn an der Spitze eingebunden. Fasan ist natürlich sehr ungenau, denn Hahn oder Henne und die Stelle, an der man die Hechel zupft, geben uns eine erhebliche Breite. Diese Rumpffeder nimmt man sonst gern für Streamer im NZ-Stil.

Fasanenkörperfeder vom Hahn an der Basis eingebunden. Wollte man von jedem Vogel jede mögliche Feder zeigen, hätte man viel zu tun. Es macht auch keinen Sinn, denn Bälge sind verschieden. Für große Nassfliegen wie „Carey Special“ ist diese Feder eine gute Option.

Fasanenhennendeckfeder an der Spitze eingebunden. Die Feder ist vom Flügel gezupft. Sehr gut brauchbar für viele Muster.

Fasanenhennendeckfeder an der Basis eingebunden.

Perlhuhnfeder an der Spitze eingebunden. Perlhuhn ist sehr haltbar und eignet sich aufgehellt und überfärbt gut für Maifliegen.

Perlhuhnfeder an der Basis eingebunden. Die häufigste Verwendung für Forellenflegen ist wohl die „Arthofer“. Da nimmt am alles nach vorn und schnippt es kurz.

Grousefeder an der Spitze eingebunden. Hier kaufen wir meist die Flügel und verwenden die Deckfedern.

Grousefeder an der Basis eingebunden. Flügel sind innen weiß, so kann man sie sehr schön von den anderen braunen Flügeln unterscheiden, wenn man die Verpackung entsorgt hat.

Waldschnepfenfeder (woodcock) an der Spitze eingebunden. Diese Schnepfe ist etwas dunkler und leicht gebändert.

Waldschnepfenfeder an der Basis eingebunden. Kommt aber natürlich darauf an, wo man gezupft hat.

Schnepfenfeder (snipe) an der Spitze eingebunden. Schnepfe ist heller als Waldschnepfe und in der Regel etwas kleiner.

Schnepfenfeder an der Basis eingebunden. Hier erkennt man schön warum eine Wicklung um den Haken besser ist als fünf! Zu viel, zu dicht, klumpt, Körper unsichtbar, jede Fliege letztlich nur braun.

Stockentenfeder (mallard) an der Spitze eingebunden. Sehr üblich bei Maifliegen. Ich finde es schön wenn die kräftigen Fibern vorn sind. Ist auch haltbarer so, weil der Lack die Basis sichert.

Stockentenfeder an der Basis eingebunden. Kann man auch machen, aber der Kiel kann dabei anbrechen und so gerade noch halten, ohne dass man es sieht.

Krickentenfeder (teal) an der Spitze eingebunden. Auch hier kommen die kräftigen und besser gefärbten Fibern nach vorn. Entenfedern sind einfach kräftiger und haben einen flow. Da sie bei Maifliegen meist vor anderen Hecheln eingebunden werden, ist diese Methode fast zwingend. Nur so hat auch die Fliege flow.

Krickentenfeder an der Basis eingebunden. Hier zeigen diese Fibern zum Fisch, was ja auch nicht schlecht sein muss. Aber folgt man dem flow der Feder nicht, entsteht ein etwas wilderer Eindruck.
Als ehrliches Nachwort muss ich sagen, dass eine Zuordnung von Bildern und Texten nur mit der Lupe möglich war. Also die „Fliege“ mit der Lupe anschauen und das Bild dazu finden, dann das Bild dem Text zuordnen. Mit dem bloßen Augen könnte ich hinterher zwar ungefähr die Feder bestimmen, wenn auch nicht ganz sicher, aber nicht die Bindeweise. Ich lege mich darum fest zu sagen, vorwärts oder rückwärts ist bei Wildhecheln mit einer nutzbaren Länge von 10 bis 15 mm völlig egal. So ab 20 mm aufwärts und bei dicken Kielen, sollte man zuerst die Spitze einbinden. Der wichtigste Ratschlag aber ist der, bei weich behechelten Nassfliegen und Nymphen nur wirklich 5 mm befiberte Hechel vorzubereiten, denn die magere Fliege fängt am besten. Siehe unten!

Ingo Karwath