

Einem Streamerhaken ein Fundament anlegen und vorn ein Segment einer Kugelkette einbinden. Ich binde gern zwei Buckel, und setze den Steg dann dazwischen.
Die Temperaturen sind noch im sommerlichen Bereich, aber dunkle Wolken bringen Regen mit sich und die Straßen sind schon voller Blätter. Der gelbe Sonnenschutz, der sonst meinen Schreibtisch abschattet, hat seine Funktion verloren. Die Sandalentatoos verschwinden wieder in Schuhen, die Shorts in der Schublade, die bunten Androshemden im Schrank. Die sind so bunt, die kann man nur tragen wenn alle grillen. Ja, gut, irgendwann mache ich meinen Frieden mit dem Herbst, aber von Jahr zu Jahr fällt es mir schwerer den Sommer gehen zu lassen. Ich hätte gern mehr gefangen diesen Sommer, aber es hat sich nicht ergeben. Tröstlich darum, dass ich noch ein paar besondere Angelwochen vor mir habe, und auch mit dem herbstlichen Fischen auf Zander, Barsch und Hecht werde ich mich schon noch anfreunden. Bei den Meerforellen wird es sich wohl so ergeben, dass ich jetzt im September noch gute Chancen sehe, aber die Tour Ende Oktober ist dann meist schon Hardcore. Danach weicheiere ich mich in meine Werkstatt und tue so als müssten harte Männer Ruten und Rollen bauen. Vielleicht noch mal Rügen, wenn’s passt, aber dann ist’s gut. Eine Meeräsche habe ich 2026 nicht gesehen, nicht mal eine, und da bin ich vermutlich nicht allein. Im September ist da noch mal eine kleine Chance, aber man kann nun nicht empfehlen sie als Zielfisch zu wählen. Es ist eher so, dass sich zum Sommerende oft eine neue Schnittmenge in der Nahrung ergibt, und Meeräschen schnappen da auch mal nach Fischchen und Garnelen. Eine Fliege, die das für Meerforellen und Meeräschen gleichermaßen gut bedient, ist die „Yellow Tail Fry“ von Rasmus Ovesen, die in „Fisk og Fri“ im Oktober 2025 vorgestellt wurde. Das gelbe Schwänzchen aus Polarfuchs erinnert nicht schlecht an den Meeräschen „Gärtner“, den ich im September nicht mehr fischen wollte. Aber mit gelb, so rechne ich mir aus, könnte man eine einzelne Meeräsche vielleicht doch noch locken. Wäre diese Fischerei verlässlich, dann gäbe es Bonefish Boote auf der Ostsee und junge Guides würden uns für 800 Euro am Tag auf die Flats der dänischen Südsee führen. Amerikaner würden kommen und für 12.000 Dollar die Woche in Lodges einchecken. Die Realität aber ist die, dass man auch Schneider bleiben könnte. Fischt man jedoch auf Meerforelle, dann ist das im September fast unmöglich. Wer eine Woche gut und fleißig fischt, wird belohnt werden. Da ich auf die „Yellow Tail Fry“ setze und die gerade binde, starte ich damit auch in die neue Saison vom „FliegenBinder“. Noch etwas eingerostet von zu viel Freizeit, aber das wird schon. Und wie nach jeder Sommerpause eingeschüchtert von der Aufgabe, nun wieder zehn Monate Binderei anzubieten. Auch das wird. Oh, und nicht nach Yellow Tail Fry im Web suchen, da kommen nur Fischrezepte. Unbedingt Fisk og Fri als Startbegriff nehmen.
Binderezept (Original): Streamerhaken Gr. 6 bis 10; Bindeseide: rot; Schwanz: Polarfuchs, gelb; Rippung: Kupferdraht; Körper: Golddubbing; Körperhechel: Grizzly, orange; Augen: Kugelkette; Kopfdubbing: rot.

Hinten Polarfuchs in gelb einbinden und einen Kupferdraht als Rippung.

Mit goldenem Dubbing einen Körper aufbauen.

Eine Grizzlyhechel in orange von vorn nach hinten winden und mit dem Kupferdraht gegenrippen. Eine orange Badgerhechel ist ein prima Ersatz, und die hat jeder Templedog Binder im Vorrat.

Rotes Dubbing in eine Schlaufe nehmen und den Kopf damit umkleiden. Ordentlich Lack einsickern lassen. So das Original. Ich finde eine rote Hechel besser. Gleiche Wirkung bei schönerer Optik.
Ingo Karwath