Als junger Fliegenfischer besteht die Welt ja nicht selten aus den Dingen, die man nicht besitzt, und dazu gehörten bei mir hochwertige Bindematerialien. Die Wünsche nach Ruten und Rollen konnte man mit Weihnachten, Geburtstag und Ferienjob so einigermaßen abdecken, und eine meine liebsten Erinnerungen ist die Anstellung zur Berechnung von Betriebskostenplänen für die Stadtwerke, deren Erlös meine erste Gespließte ergab. Die eigentlichen Probleme waren eher Angelscheine, Benzin und Bindematerial. Tagesscheine lagen so bei 10 Mark, Benzin kostete der Liter um 90 Pfennig, und gute Bälge etwa 50 Mark. Angelscheine und Benzin waren so viel wichtiger als Federn. Bis ich später mal das Glück hatte, aus einem Ramschkorb ein paar völlig falsch ausgezeichnete Jungle Cock Bälge bei Kettner kaufen zu können, kannte ich diese Feder nur vom Anblick. Irgendwann brachte Udo mal einen Balg aus Schottland mit, und das war geradezu ein Ereignis. Ungefähr zur gleichen Zeit schenkte er mir ein paar Päckchen Pardo Federn aus Spanien, mit den Worten: Die sind zu schade für mich. Ja, für mich auch, ich verwahre sie als Schatz bis heute. Keine guten Materialien zu haben war also der Standard unserer frühen Bindejahre, aber so lernte man aus wenig viel zu machen. Etwa drei Hechelspitzen auf einem 18er Haken doch zu einem passenden Palmer zu formen. Und natürlich hatte ich „Jassids“ in der Box, nur eben improvisiert mit vier schwarzen Biots, die ja von unten den gleichen Effekt ergeben wie JC, wenn man sie hinten abrundet. An der Traun lernte ich dann eine schwarze Microsedge kennen, die aus zwei Biots gebunden wurde, und ich habe sie bis heute in der Box. Wie sehr die modernen Zeiten etwas verändern, was man seit langer Zeit kennt, zeigt aber diese kleine Caddis. Sie besteht nur aus Antron und Dubbing, und mit UV zwingt man den Fibern die Form auf, die man haben möchte. Unwillkürlich fällt einem auf, dass Dinge, die die Welt verändern, nur noch aus Buchstaben bestehen, etwa KI oder UV oder auch CNC. Dass wir FB um FF zu betreiben sollten wir nicht an uns heranlassen. Wir binden und fischen sicher besser mit der Ganzwortmethode. So habe ich auch mal lesen gelernt und das war erfolgreich. Also, wer noch ganz schnell eine kleine Caddis für die Dosen haben möchte, diese hier binden. Könnte sich lohnen.

Einen 18er Trockenhaken mit einem Fundament bewickeln und ein Stück schwarzes Antron so einbinden, dass man vor und hinten Überstand hat.

Den vorderen Überstand durch ein weiteres Bündel Antron fülliger gestalten, denn das wird später der Flügel.

Feines schwarzes Dubbing mit einem Naturdubbing wie Hase oder Squirrel mischen und einen Körper binde. Die Fliege mit einem Whip unter dem vorderen Antron abschließen. Lack ist nicht nötig.

Den Flügel nach hinten halten, in die vorderen 2 bis 3 mm etwas UV einarbeiten und mit der Lampe härten. Die Caddis stutzen und man ist vorbereitet für sehr kritische Fische.
Ingo Karwath