Quick Tie! Nothing…

Die Zahl der Fliegen, die sich mit einem koketten Namen schmücken, wird immer mehr. Als Cannon Greenwell sich über die Schultern von James Wright beugte und man zusammen im Mai 1854 die „Greenwells Glory“ erfand, hatte keiner von beiden irgendwelche Hintergedanken an bleibenden Ruhm. In einer Zeit, als noch der Mann die Fliege machte und nicht die Fliege den Mann, gab es solche blingbling Eitelkeiten nicht. Heute wird schon Popularität erwartet für ein Muster, das noch nicht einmal die Erprobung durchlaufen hat, und es gibt sogar Bücher über holländische Bissanzeiger. Ein guter Name ist für eine neue Fliege schon etwas wert, aber das ist so ähnlich wie mit Emma und Sophie oder Noah und Matteo, und wird garantiert kopiert. Mehrere Fliegen schmücken sich mit dem Namen „Nothing“, und alle Iliamna Fischer werden nun wissend mit dem Kopf nicken, denn die „Nothing“, die „Almost Nothing“ und die „Improved Nothing“ von Ted Gerken haben es bei Patterson ja sogar in die Literatur geschafft. Die Frage aber ist die, wer möchte es für bald 15.000 Dollar die Woche nach Iliamna schaffen. Während die Lodges weltweit früher ein Ziel für Fliegenfischer waren, haben sie sich zu einem Ziel für Fonds-Manager gewandelt. 13 ist der Grundpreis, 20% Tip wird erwartet. Darum ist die „Nothing“, die ich hier vorstellen möchte, eher ein Tipp für den Äschenfischer. Das sich so rein mit ‚nothing‘ ja auch nicht realisieren lässt, aber den finanziellen Wohlfühlbereich vieler Girokonten nicht ganz verlässt. Die Fliege ist so um die 15 Jahre in der Entwicklung und kommt aus UK und wird Alec Harvey zugesprochen. Seit 5 Jahren hat sich aber nicht mehr viel verändert, will sagen nichts. Natürlich hat die Zahl der Trittbrettfahrer zugenommen und das bedeutet ja heutzutage, dass einer CdL Fibern einbindet und ein anderer CDC. Wenn man sich einmal umschaut ist das ein grundsätzlicher Ansatz, den ich gern Maggi-Tuning nenne. Mit Maggi schmeckt ja alles, sogar Räuchermehl. Als Beispiel: Red Tag – Perlentuning – CdL in den roten Schwanz einbinden – CDC hinter die Perle. Krönchen richten, auf Bewunderer warten. Derweil der alte Schorsch, 45 Jahre Gewässerwart, mit der ollen „Red Tag“ besser fängt. Die „Nothing“ kann man mit einem Muster in der Literatur verbinden, dem „Kimballs Emerger“ in Art Lee’s Buch „The Lore of Trout“, muss man aber nicht. Fliegen sind wie Songs, irgendeine LaLa-Ähnlichkeit findet sich immer. Schön an dem Muster finde ich die Verwendung von nur drei Materialen, und ich persönlich bleibe da im Pfauengras- und Antron-Spektrum. Wer gerade nach einer neuen Mücke sucht, sollte das Muster binden. Wer noch genug kleine Zecken hat, macht es vielleicht später.

Eine Portion schwarzes Antron doppeln und als Schlaufe auf einen kleinen Trockenhaken binden. Den Schwanz erheblich ausdünnen.

Einen Thorax aus Pfauengras binden, das Antron vorn etwas hochstellen und dann kappen. Die Mücke ist sehr schwer zu sehen, fängt aber extrem gut.

Ingo Karwath