For international readers: Almost forgotten among beads and flash, the down to earth nymphs from Polly Rosborough. Part 1
Die Conclave 1985 in West Yellowstone war ein großartiges Erlebnis für mich, denn ich war jung und leicht zu beeindrucken und außerdem erst vor wenigen Tagen Chefredakteur von „FliegenFischen“ geworden und war also auf meiner ersten Dienstreise. Besorgen Sie uns Autoren, hatten Alexander Jahr und Karl Koch gesagt, möglichst berühmte Leute. Da ich schon vor dieser Zeit mit Nick Lyons einen Briefwechsel hatte, nutzte ich natürlich diese Möglichkeit um weitere Kontakte herzustellen, und das funktionierte ganz wunderbar, denn Nick war so eine Art Meister Joda der Szene. Ich brachte ihm einen geschwungenen Holzkescher aus Österreich mit, von dem er völlig begeistert war. Amerika zeigte sich aber auch sonst als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, denn als ich zu einem Vortrag von Robert H. Boyle ging, damals berühmt für realistische Fliegen, saß direkt rechts neben mir ein bekannter Fischer. „Hi, I’m Polly Rosborough“, sagte der, und ich sagte: I’m Ingo. Yes, I know. Wie kann das sein, fragte er, und war dann höchst erfreut über meine Antwort: Weil Sie hinten auf dem Cover von ihrem Buch sind. Natürlich übersetzt sich you nicht automatisch mit Sie, aber Mr. Rosborough wurde 1902 geboren und war 1985 ein ehrwürdiger Senior. Aber hellwach und verschmitzt, denn er prüfte mich mit: Kennst du das Geheimnis meiner Nymphen? Ja, konnte ich stante pede antworten, verfilzte Fellhaare und weißer Leim. Das machte schwer Eindruck, und die ebenfalls prominenten Freunde, gleich neben ihm Henry Hoffmann, zu seiner Rechten wurden informiert, ich sei ein cleveres Kerlchen. Was mir heutzutage wenig hilft, wenn meine Frau sagt bring‘ Schwarzbrot mit, und ich das mal wieder vergesse.

Blonde Burlap. Haken: Nasshaken Gr. 6, 1XL und 2XS im Original; Bindeseide: tan; Schwanz: Henne, honey dun, kräftiges Bündel; Körper: Unterkörper aus Wolle, tan, ordentlich wasserfesten Weißleim auftragen, dann drei gebleichte Jutefäden in einer Dubbingschlaufe aufwinden; Hechel: Henne, honey dun, 5 bis 6 Wicklungen.

Fledermouse. Haken: Nasshaken Gr. 2 bis 16; Bindeseide: goldbraun; Körper: Dubbingmix, 2 Teile Bisambauchhaar, 1 Teil Hasenhaar, 2 medium braun Mink, Schlaufentechnik; Kragen: Australisches Opossum, Schlaufentechnik; Flügelköcher: Stockente oder Krickente unter Pfeifente (Ersatz).

Casual Dress. Haken: Nasshaken Gr. 4, 3XL und 2XS; Bindeseide: schwarz; Schwanz: Bisamrückenhaar; Körper: Bisamrückenhaar in wilder Fasson in Dubbingschlaufe; Kragen: Bisamrückenhaar in Dubbingschlaufe; Kopf: Straußenfibern, schwarz.

Muskrat Nymph. Haken: Nasshaken Gr. 6 bis 16, 3XL; Bindeseide: schwarz; Körper: Dubbing, 1 Teil Bisambauch, 1 Teil Biberbauch, 1 Teil Eselhase (wir Europäer nehmen wohl lieber Feldhase), als Nudel in eine Schlaufe spinnen; Hechel: Perlhuhn, als Bart; Kopf: Straußenfibern, schwarz.
Aber dieser Punkt ist eben genau der Punkt, denn wenn man Fuzzy nur mit fuselig oder haarig übersetzt, hat man die Qualität dieser Nymphen nicht wirklich erkannt. Der Begriff war eher dazu da, sich von den „hard body nymphs“ abzugrenzen, die Hewitt erfunden und propagiert hatte. Im Vergleich zu diesen sind die Nymphen allemal fuzzy, aber in keinem Fall lose. Im Gegenteil, eine Dubbingnudel ergibt eine sehr feste Nymphe. Die ganze Geschichte nahm ihren Anfang, weil Polly Rosborough sich als Bindeanfänger Seehunddubbing kaufte und damit nicht umgehen konnte. Aber stur und sparsam wie ein Schotte nun mal ist, so seine eigenen Worte, fand er eine Lösung, schmierte wasserfesten Leim auf eine Fläche, legte Dubbing auf und rollte eine streichholzgroße Schupfnudel. Als die dann trocken war, band er sie vorsichtig an einem Ende ein und wand sie um den Haken. Damit war die Technik geboren, die seine Karriere als Fischer, Profibinder und Autor prägen sollte. Die acht Cent für das Dubbing mögen auch deshalb von Bedeutung gewesen sein, weil sich alles nach dem 29. Oktober 1929 in den frühen Jahren der Großen Depression zutrug. Der Begriff „fuzzy nymphs“ trifft das Erscheinungsbild dieser Nymphen nur bedingt, denn viele sind so stramm gebunden, dass der Dubbingkörper eher segmentiert als fuselig aussieht. Aber eben nur frisch aus der Dose, die Forellenzähne machen die Nymphe dann sehr schnell fuzzy. In den Jahren nach 1945 gab es zunächst kein Bindematerial zu kaufen, und Seehunddubbing war so selten wie Hühnerzähne. Polly band mit Chenillestoff, den er im Seifenbad auflöste.

Hare’s Ear. Haken: Nasshaken Gr. 6 bis 14; Bindeseide: schwarz; Körper: 2 Teile Bisam, 1 Teil Hase, 2 Teile Mink, braun, als Nudel in einer Schlaufe; Kragen: im Original „winter killed packrat“, also Buschratte, vielleicht lieber braunes Kaninchen benutzen; Flügelköcher: Henne, schwarz-braun gespenkelt; Kopf: Straußenfibern, schwarz.

Near Enough Nymph. Haken: Nasshaken Gr. 8 bis 16, 3XL ; Bindeseide: hellgrau oder hellbeige; Schwanz: Stockentenfibern, graubeige gefärbt; Körper: Graufuchs, ohne Grannen; Flügelköcher und Hechel: Stockentenfibern, graubeige.

Nondescript Nymph. Haken: Nasshaken Gr. 10, diverse Längen; Bindeseide: braun; Schwanz: Marabou, fiery brown (orangebraun); Rippung: Knopflochseide, gelb; Körperhechel: Sattelhechel, fiery furnace (orangebraun-schwarz); Körper: Wolle, dark fiery brown (dunkelorangebraun), gestutzt.

Freshwater Shrimp. Haken: Nasshaken Gr. 6 bis 12; Bindeseide: zum Körper passend; Schwanz: Hechelspitze, möglichst nah an der Körperfarbe; Körper: raue Wolle in tan, grau, oliv oder blassrosa; Hechel: Sattelhechel, möglichst nah an der Körperfarbe, gestutzt.
Dieses Seifenbad fand dann auch bei geschorener Bisamwolle Anwendung, und siehe da, dieser aus der Lodenmacherei seit dem Mittelalter bekannte Vorgang ergab ein Bisamloden, aus dem man die Nudel ohne Klebstoff zupfen konnte. Der neue, dann endgültige Bindeprozess nahm diese Filznudel in eine Dubbingschlaufe auf und setzte weiter auf Weißleim als Klebstoff. Die Nymphen erwarben sich in der Szene einen Ruf wie Donnerhall, so fängig und haltbar wie sie sind. Aber bald zwanzig Jahre sollten vergehen, bis sie 1965 durch das Buch „Tying and Fishing the Fuzzy Nymphs“ einem großen Publikum bekannt wurden. Nymphenfischen war bis dahin für viele von uns noch ein Mysterium, und „mit Nymphe“ war zwischen nass und trocken eine Methode ohne entomologisches Fundament. Skues, Sawyer, Kite, Hewitt hatten die meisten noch nicht gelesen, und die Nymphe an sich hatte einen Horizont wie der Wurm an sich. Mit der Nymphe gefangen erzeugte keine weiteren Fragen und wurde als umfassende Info pur akzeptiert. Die vierte Auflage von „Fuzzy Nymphs“ zeigt 46 Fliegen, und nimmt man die Nassfliegen und Trockenfliege und Farbvariationen heraus, bleiben 23 Nymphen über. Acht allgemeine Nymphen, vier Mückennymphen, vier Eintagsfliegennymphen, drei Steinfliegennymphen, drei Köcherfliegennymphen und eine Libellennymphe. Das ist ein bisschen zu umfangreich für ein Fliegenlexikon, geht aber wunderbar für ein zweiteiliges Lexikon. Die allgemeinen Nymphen sind nicht weniger entomologisch als die artspezifischen Nymphen, haben sich aber mit Namen etabliert, die eher auf das Material verweisen. Die Mückenlarven wiederum beziehen sich zwar auf eine Art, sind aber so allgemein gebunden, dass man sie hier zuordnen kann, zumal die „Muskrat“ zu ihnen passt. Ich beginne also mit den Gruppenmustern und den Mücken. In Teil zwei folgen die Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. Und eine Libelle.

Mosquito Larva. Haken: Nasshaken Gr. 14 und 16, 3XL; Bindeseide: grau; Schwanz: Perlhuhn, 3 Fibern, sehr fein gemustert; Rippung: Bindeseide; Körper: rauchgraue Wolle; Hechel: 6 Perlhuhnfibern, ca. 5 mm lang.

Black Midge Pupa. Haken: Nasshaken Gr. 12 ; Bindeseide: grau; Kopf (butt): Straußengras, schwarz, 3 Windungen; Hechel (gills): Hahn, grizzly; Körper: Wolle, grau.

Red Midge Pupa. Haken: Nasshaken Gr. 12 ; Bindeseide: crimson (karminrot); Kopf (butt): Straußengras, schwarz, 3 Windungen; Hechel (gills): Hahn, grizzly; Körper: Wolle, crimson.

Tan Midge Pupa. Haken: Nasshaken Gr. 12 ; Bindeseide: grau; Kopf (butt): Straußengras, schwarz, 3 Windungen; Hechel (gills): Hahn , grizzly; Körper: Wolle, grau.
Ingo Karwath